Zwischen Parteilichkeit und systemischem Denken – Das Oranje-Huis-Konzept: Ein adäquater Ansatz für die Frauenhausberatung?

Vortrag mit Sabrina Zachanassian

Ort: Uni Jena, Carl-Zeiß-Str. 3, Hörsaal 7
Datum: 30.04., 19 Uhr

Die mehr als 400 Frauenhäuser in Deutschland müssen nach wie vor jährlich ca. 40.000 Frauen und Kindern Zuflucht bieten. Ein Viertel der Frauenhausbewohnerinnen kehren jedoch zu ihren gewalttätigen Partnern zurück und es kommt nicht selten zu einer Wiederaufnahme der betroffenen Frauen. Die Frauenhäuser finden in diesen Fällen offenbar kein probates Mittel, die Gewaltspirale nachhaltig zu durchbrechen.

Als Reaktion auf dieses Phänomen wurde mit dem Oranje-Huis-Konzept ein systemischer Ansatz zur Gewaltprävention entwickelt, das nicht mehr nur die Opfer in den Blick nimmt, sondern auch die Täter in die Arbeit einbezieht. Wieviel des ursprünglichen feministischen Selbstverständnisses steckt jedoch in einem Beratungskonzept, das die Parteinahme vermeidet und den Perspektiven aller Mitglieder des Systems, auch des Täters, gleichermaßen Raum gibt?

Im Vortrag soll das Oranje-Huis-Konzept hinsichtlich seiner Tauglichkeit für die feministischen Grundwerte Gleichheit, Parteilichkeit, Solidarität untersucht werden.

Da Evaluationen zu dem neuen Frauenhauskonzept bisher weitestgehend fehlen stellt die Analyse einen rein theoretischen Abgleich der feministischen Prinzipien mit den Ideen des niederländischen Ansatzes dar.

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Ein System von Narben

Überlegungen zum Verhältnis von Triebtheorie und Kritik

Datum: 24.04.2018
Uhrzeit: 19 Uhr
Ort: Hörsaal 6, Uni Jena Carl-Zeiß-Str. 3

In der kritischen Theorie gilt es als eine Art Diktum, dass sie in ihrer Relation zur Psychoanalyse einen Bezug zur Triebtheorie Freuds impliziert: Wenn die Triebtheorie und, damit einhergehend, die infantile Sexualität relativiert oder als überflüssig erachtet werden, sei davon auszugehen, dass es sich um unkritische Theorie handelt. Nun hat die Psychoanalyse seit der Zeit des Revisionismus- bzw. Kulturismus-Streits zwischen Adorno und Marcuse auf der einen und Horney und Fromm auf der anderen Seite eine Entwicklung genommen, in deren Folge die Triebtheorie in ihrem Mainstream weitgehend durch andere Theorien ersetzt wurde, insbesondere durch die Objektbeziehungstheorie. Sie wäre demnach aus der Sicht der kritischen Theorie weitgehend als unkritisch den gesellschaftlichen Verhältnissen gegenüber anzusehen. Zwischen der gegenwärtigen Psychoanalyse und denjenigen, die sich in der Kritik der Gesellschaft an der kritischen Theorie orientieren, hat sich daher eine doch recht große Kluft aufgetan, in der es kaum noch möglich erscheint, einen Zusammenhang auszumachen. Dennoch gibt es in manchen Diskussionssträngen auch Bezüge aufeinander, wobei seit einiger Zeit die psychoanalytische Theorie der Intersubjektivität an Bedeutung gewinnt. Aus dieser Konstellation ergibt sich die Frage, aus welchen Gründen sich die kritische Theorie veranlasst sehen könnte, der Triebtheorie eine so entscheidende Bedeutung für die Kritik der Gesellschaft zukommen zu lassen und wie von daher das Verhältnis der kritischen Theorie zu den neueren psychoanalytischen Theorien einzuschätzen wäre.

Vortrag von Julian Kuppe

Julian Kuppe beschäftigt sich u.a. mit Psychoanalyse, kritischer Theorie, ästhetischer Theorie, und der Kritik der gesellschaftlichen Naturverhältnisse.

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Dank dem Kapitalismus kann ich endlich doppelt frei sein

Dokumentation unseres Flugblattes anlässlich des Kongress Freiheit is Future

Freiheit is Future. Unter diesem inhaltsleeren Titel lädt das globale Netzwerk students for liberty zu einer Konferenz über ihr Verständnis von Freiheit.
Was ist gegen eine Konferenz einzuwenden, die sich auf die Fahne schreibt, die Idee der Freiheit zu befördern? Ist Freiheit nicht ein Ideal, was über die ganze politische Bandbreite hinweg für sich reklamiert wird und einen gemeinsamen Nenner darstellen könnte?
Gerade da wo sich nahezu alle politischen Spektren unter einem Banner vereinen lassen, sollte Vorsicht und Skepsis geboten sein. Sind es doch Ideale wie Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit, unter denen sehr Unterschiedliches verstanden werden kann. Deshalb kommt es umso mehr auf das inhaltliche Verständnis von Freiheit an.
Zunächst tauchen unterschiedliche Aspekte einer bürgerlichen Freiheitsdiskussion im Veranstaltungsprogramm auf: Es geht um Cybersicherheit, Freihandel, Unternehmensfreiheit und politische Korrektheit. An einem eindeutigen Klassenstandpunkt scheint es den angehenden Jungunternehmer*innen und HobbyVWLer*innen dabei nicht zu fehlen. Freiheit wird als Freiheit zum Geschäftemachen verstanden und jeder Eingriff des Staates in das Geschäftemachen skandalisiert. Dabei treffen sie durchaus einen Punkt. Bürgerliche Freiheit hatte schon immer einen Doppelcharakter – von Marx polemisch doppelte Freiheit genannt. Einerseits garantiert der Staat seinen Bürger*innen gleiche Freiheit, d.h. sie können Verträge abschließen, mit wem sie wollen, und haben gegenüber dem Staat und allen anderen allerhand Freiheitsrechte. Gleichzeitig sind die meisten Menschen in dieser Gesellschaft aber auch frei von Produktionsmitteln (also nicht in der Lage, die Dinge des täglichen Bedarfs eigenständig herzustellen und frei über sie zu verfügen). Damit sind dann auch die Rahmenbedingungen geschaffen, unter denen Freiheit zu benutzen ist, nämlich dazu sich fremden ökonomischen Interessen anzudienen, um damit überhaupt Zugriff auf den gesellschaftlichen Reichtum zu bekommen. Man ist gezwungen, Arbeitskraft zu verkaufen und fremden Reichtum zu vermehren. So ist auch sichergestellt, was immer mal wieder zum Anlass von Skandalen genommen wird, obwohl es doch tief in die Logik dieser Gesellschaft eingeschrieben ist: Dass die Reichen immer reicher und die Armen immer ärmer werden. Unter dem Diktat von Freiheit und Gleichheit produziert diese Gesellschaft also immer deren Gegenteil: Unfreiheit, ökonomischen Zwang und Ungleichheit.
Auch innerhalb ihres auf Konkurrenz und ungleichen Besitzverhältnissen basierenden Freiheitsbegriffes ist die Idee der freien Konkurrenz im Sinne von gleichen Vorrausetzungen und Chancen Ideologie. Das Leugnen dieser Ungleichheit dient einerseits dazu, die eigene hervorgehobene Stellung in der Konkurrenz zu sichern. Psychologisch hat das Polemisieren gegen bspw. Gendermainstreaming die Funktion der Aufrechterhaltung der eigenen Erzählung „es ganz aus eigenem Antrieb“ geschafft zu haben. Mit Vehemenz wird all das geleugnet und angegriffen, was diese Selbsterzählung in Bedrängnis bringen könnte, nämlich die Hinweise auf rassistische, sexistische und klassenspezifische Diskriminierungen.
Es mag ironisch anmuten, dass gerade diejenigen, denen diese vom Staat eingerichtete freie Konkurrenz nützt, also die dadurch in die Lage gelangen durch fremde Arbeit reich zu werden, nun noch mehr Freiheit vom Staat fordern. Dies wird durch das – auch unter Linken – verbreitete Missverständnis plausibel, Staat und Kapital als Gegensätze zu begreifen. Übersehen wird dabei, dass der Staat erst Freiheit, Gleichheit und Eigentum garantieren muss, damit der freie Kauf/Verkauf von Arbeitskraft und damit Ausbeutung möglich werden.
Was auf dieser Konferenz ideologisch vorbereitet wird, ist ein Klassenkampf von oben. Wenn die Konferenzteilnehmer*innen von Freiheit sprechen, meinen sie damit nicht eine Freiheit, die bspw. durch soziale Sicherung entstehen könnte, sondern sie wollen diejenigen Eingriffe des Staates rückgängig machen, die versuchen, die Konkurrenz zugunsten der Lohnabhängigen (und langfristig auch zugunsten des Kapitals) abzuschwächen. Sie wollen, dass der Staat weiterhin die freie Konkurrenz gewährt und Eingriffe in diese unterlässt. Dies ist nichts anderes als ein unter universellen Werten versteckter Angriff auf alle Lohnabhängigen.
Was wir dagegen wollen, ist Freiheit von Fremdbestimmung, Existenzangst und Zwang, wie wir sie jeden Tag in dieser Gesellschaft durch Lohnarbeit, Leistungsdruck oder sexistische und rassistische Rollenzuweisungen erfahren.

Sozialistische Jugend – Die Falken Jena

Flyer als PDF

Neue Arbeitskreise

Liebe FreundInnen, Liebe GenossInnen,
Das Jahr neigt sich dem Ende zu, aber unseren neuen Arbeitskreise fangen gerade erst an. Die Arbeitskreise treffen sich in der Regel einmal in der Woche an unterschiedlichen Tagen. Wenn ihr mitmachen wollt schreibt uns eine Mail an info@falken-jena.de oder einfach hier auf Facebook, dann erfahrt ihr den genauen Ort.

AK URSPRÜNGLICHKEITSIDEOLOGIEN
Unter Ursprünglichkeitsideologien verbirgt sich ein spezifischer Zugriff auf Gesellschaft, diese wird als falsch und künstlich markiert und der eigenen Vorstellung eines guten Lebens die sich in ihrer angeblichen Natürlichkeit und Ursprünglichkeit legitimiert gegenübergestellt. In dem AK wollen wir uns mit diesen als „Anti-Ideologien“ sich gebenden Vorstellung in der neuen Rechten aber auch im IS auseinandersetzen. Ein Schwerpunkt der Auseinandersetzung werden Sexismus, Nationalismus und Antisemitismus sein. Wir werden uns fragen warum diese Vorstellung einer natürlichen Geschlechter- und Gesellschaftsordnung gerade im Neoliberalismus, indem die kapitalistische Gesellschaft und ihr Glücksversprechen brüchig wird, neue Popularität erfahren.
Das erste Treffen wird Donnerstag, den 9.11. um 19:00 Uhr stattfinden

AK KRITIK DER UNIVERSITÄT
Im Arbeitskreis Kritik der Universität versuchen wir uns einerseits die Funktion der Universität in der bürgerlichen Gesellschaft zu erklären um zu prüfen wie genau sich Hochschulbildung mit neoliberaler Vergesellschaftung verändert hat. Außerdem soll der Frage nachgegangen werden ob es ein studentisches Bewusstsein gibt und wenn ja wie es zu kritisieren wäre.
Das erste Treffen wird Mittwoch, den 8.11. um 19:00 Uhr stattfinden

AK PSYCHOANALYSE
Moral und kulturelle Normen hindern die Menschen an der freien Ausübung ihrer Triebe und Bedürfnisse, indem sie Schuldgefühle auslösen. Sind sie also Instrumente, mit denen Menschen einander beherrschen (oder sich von verselbstständigten Strukturen beherrschen lassen) oder stellt es nicht auch eine Errungenschaft dar, wenn Rücksichtnahme auf die Bedürfnisse anderer zum normalen Umgang gehört? Und was bedeutet das für unsere Gesellschaftskritik, die doch ohne erhobenen Zeigefinger auskommen will? Derart sind die Fragen, die wir an Sigmund Freuds berühmte Schrift „Das Unbehagen in der Kultur“ richten wollen. Nachdem wir uns in unserem Marx-Lesekreis einem wichtigen Kritiker der herrschenden ökonomischen Verhältnisse gewidmet haben, wollen wir uns nun mit Freud einem Denker zuwenden, der uns Hinweise darauf geben könnte, ob das soziale und emotionale Zusammenleben der Menschen notwendigerweise so stark von Herrschaft geprägt sein muss. Denn dass sich die kapitalistischen Formen auf unser soziales Miteinander auswirken: unbenommen. Aber könnte es nicht auch sein, dass unsere emotionalen Beziehungen auch die wirtschaftlichen prägen? Soviel zur ersten Hälfte des Arbeitskreises. In der zweiten Hälfte wollen wir uns mit Psychoanalyse und Geschlecht beschäftigen. Seit Freud hat es nämlich einige Entwicklungen in der Psychoanalyse gegeben, die der klassischen Geschlechterforschung entscheidende Hinweise liefern: Wie wird die (kulturelle) Vorstellung von der Normalität der Heterosexualität immer wieder psychisch verankert? Wieso halten sich Rollenklischees und hierarchische Konstellationen (auch in der Liebe) so hartnäckig? Und welche Potentiale könnte es geben, das eigene erwachsene Leben – manchmal zumindest- anders zu gestalten? Bringt dafür gerne eure Fragen oder (Text-)Ideen mit!
Das erste Treffen wird Dienstag, den 7.11. um 18:30 Uhr stattfinden; dort werden wir uns auf einen regelmäßigen Termin einigen (der nicht dienstags sein muss).

Wir freuen uns auf euch!