Postwachstumsideologie als Alltagsreligion und

Teil der Veranstaltungsreihe „Alle reden über’s Wetter. Wir Auch“ Der Sozialistischen Jugend – Die Falken Jena:

Im Vortrag wird die Postwachstumsideologie ideologiekritisch betrachtet und verdeutlicht, warum das Diktum vom Schrumpfen der Produktion hinter kapitalistische Vergesellschaftung zurückfällt. Zugleich wird gezeigt, dass sich darin ein Distinktionsbedürfnis gegenüber den arbeitenden Klassen äußert und hohe Anschlussfähigkeit für die politische Rechte besteht. Postwachstumstheoretiker wie Niko Paech sind in Wissenschaft und Politik breit vernetzt und auch in linken Kreisen beliebt. Die ‚große Transformation‘ ist aber nicht bloß Expertenaufgabe, sie bedarf einer Kulturrevolution von unten und einem neuen Menschenbild. Die angesprochenen Subjekte sehen sich mit einer Melange aus Verzichtsethik und malthusianischer Übervölkerungsfantasie konfrontiert, scheinen jedoch gern bereit die abgeleiteten Forderungen individualistisch, als sinnstiftende Alltagsreligion für den Hausgebrauch praktisch werden zu lassen. So erfahren sie die vermeintliche Wirkmächtigkeit ihrer Überzeugungen gemäß einer wohlfeilen Konsumkritik beim morgendlichen FairTrade-Kaffee – in einem Wechselspiel aus Schuldgefühl und moralischer Überlegenheit.

Referenten:

Mathias Beschorner lebt in Leipzig und ist Historiker. Er schrieb zuletzt für die Versorgerin, das Distanz-Magazin und das Soziologiemagazin.

Oliver Mahrle lebt in Berlin und ist Philosoph. Er diskutiert in Kneipen und mit Freunden über Marx und Kritische Theorie.

Zeit: Am 8.10.19 -16:00 – 18:00

Ort: Hörsaal 5; Carl-Zeiss Straße 3 Jena

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