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Veranstaltungsreihe Materialistische Rassismuskritik

Zurzeit scheint die Auffassung dominant, dass den Ursachen rassistischer Gewalt und Unterdrückung durch eine individuelle Auseinandersetzung mit den eigenen „Privilegien” beizukommen wäre. Rassismuskritik wird so auf eine pädagogische Läuterungsmethode weißer Linker reduziert, die zwar Einigen ein besseres Gefühl vermittelt, den Wenigsten aber praktisch hilft. Indem sich auf Awareness und Sprachsensibilität kapriziert wird, wird Rassismus als Bewusstseinskonstrukt missverstanden, das sich von akademischen Aktivst*innen aus der Welt trainieren ließe. Die Kritik an der Verschränkung kapitalistischer Vergesellschaftung und dem anhaltenden Rassismus, sowie die Forderung seiner Abschaffung wird dabei aufgegeben. Gerade weil Rassismus als soziales Verhältnis täglich Gewalterfahrungen produziert, muss sich gegen die Bagatellisierung des Rassismusbegriffs gewehrt werden. Um Rassismus entgegen treten zu können, braucht es eine materialistische Kritik, die den Zusammenhang von Kapitalismus, Staat und Rassismus in den Blick nimmt. Dazu gehört die Kategorie der Staatsbürger*in, die damit vorgenommene institutionelle Selektion in Inländer- und Ausländer*innen sowie die Kritik der globalen Arbeitsteilung.

Diese Veranstaltungsreihe hat das Ziel, den hegemonialen antirassistischen Konzepten eine materialistische Rassimuskritik gegenüberzustellen. Sie will eine Auseinandersetzung mit den Fallstricken aktueller antirassistischer Praxen ermöglichen und für eine universalistische Position streiten.

Auf Grund der derzeitigen Covid19-Entwicklung und der Überschreitung der 7-Tage-Inzidenz von 50 in Jena werden die meisten Veranstaltungen online durchgeführt oder verschoben. Nähere Informationen erhaltet ihr in Kürze Hier oder auf Facebook.

28.10. 19 Uhr Peter Schulz: Hakennase, Ungeziefer, Weltverschwörung – Das Verhältnis von Antisemitismus und Rassismus (Kooperationsveranstaltung mit Junges Forum (JuFo) DIG Jena)
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3.11. 20 Uhr Ingo Elbe – Postmoderner Antirassismus als Weltanschauung – eine Kritik
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12.11. 20 Uhr Bafta Sarbo – Materialistische Rassismuskritik
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20.11.20 Uhr Fatma Kar – Diskriminierung statt Befreiuung für alle?
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24.11. 20 Uhr Voijin Saša Vukadinović, Janina Marte und Ali Tonguç Ertuğrul – Buchvorstellung “Freiheit ist keine Metapher”
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4.12. 20 Uhr Dennis Schnittler – Negrophobie. Grundsätzliches zum Rassismus gegen schwarze Menschen. Mit einem besonderen Augenmerk auf die aktuellen BLM-Proteste
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15.12. 20 Uhr Ronya Othmann – Kritik an Islamismus. Tödliche Ideologie
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Ingo Elbe – Postmoderner Antirassismus als Weltanschauung

Antirassistische Theoriebildung sollte den Anspruch haben, ein ebenso verbreitetes wie vielgestaltiges Herrschaftsphänomen zu analysieren und Möglichkeiten seiner Abschaffung aufzuzeigen. Es stellt sich – und zwar bei führenden Vertretern des Antirassismus weltweit, der inzwischen weitgehend poststrukturalistisch fundiert ist – allerdings heraus, dass Antirassismus zur Weltanschauung mutiert ist, die partiell gültige Aussagen unzulässig verallgemeinert, empirische Analysen durch starre Theorieschablonen ersetzt, inkonsistente, machtreduktionistische und kulturrelativistische Erkenntnistheorien zugrunde legt und über weite Strecken von volkspädagogischen Absichten und politischen Ressentiments geleitet wird. So gehören vor allem die Dethematisierung des politischen Islams und die antizionistische Agitation gegen Israel inzwischen zum guten Ton vieler antirassistischer Theoretikerinnen und Theoretiker sowie Aktivistinnen und Aktivisten.
Der Vortrag gibt einen Überblick über Faktoren, die das wichtige Anliegen einer Analyse rassistischer Herrschaftsmechanismen in eine starre Weltanschauung verwandelt haben.

Dr. Ingo Elbe ist wissenschaftlicher Mitarbeiter und Privatdozent an der Carl von Ossietzky- Universität Oldenburg. Letzte Publikationen: Gestalten der Gegenaufklärung. Untersuchungen zu Konservatismus, politischem Existentialismus und Postmoderne. Würzburg 2020; “… it’s not systemic”. Antisemitismus im akademischen Antirassismus. In: T. Amelung (Hg.): Irrwege. Analysen aktueller queerer Politik, Berlin 2020. The Anguish of Freedom. Is Sartre’s existentialism an appropriate foundation for a theory of antisemitism? In: Antisemitism Studies/April 2020. Online-Texte unter: www.rote-ruhr-uni.com

Die Veranstaltung ist Teil der Veranstaltungsreihe: Materialistische Rassismuskritik und findet im Rahmen der diesjährigen ALOTA (Alternative Orientierungstage) statt.

Über den Demokratischer Jugendring Jena e.V. wurde ein sicherer BigBlueButton-Server zur Verfügung gestellt. Über den Link: https://meetings.jugendring-jena.de/b/zdvnqhfqrjddgbk könnt ihr daran teilnehmen.

Peter Schulz: Hakennase, Ungeziefer, Weltverschwörung – Das Verhältnis von Antisemitismus und Rassismus

Ist der Antisemitismus eine Form des Rassismus, eine Sonderform oder etwas ganz Anderes? Wie sich Antisemitismus und Rassismus zueinander verhalten, thematisiert dieser Einführungsvortrag in drei Schritten:
Zunächst wird in den Blick genommen, wie einerseits rassistische Stereotype den Antisemitismus im 20. Jahrhundert prägen und andererseits welche Funktion der Antisemitismus für den deutschen Nationalismus und Rassismus übernimmt. Danach wird am modernen Antisemitismus herausgearbeitet, inwiefern er nicht nur als Rassismus begriffen werden kann und was die Unterschiede zwischen Antisemitismus und Rassismen sind. Schließlich soll das Zusammenspiel von Rassismus und Antisemitismus heute anhand von zeitgenössischen rechten Behauptungen über eine geplante ‚Umvolkung‘, mit der das ‚deutsche Volk‘ zerstört werden solle, betrachtet werden.

Dies ist eine Veranstaltung in Kooperation mit “Junges Forum” (JuFo) DIG Jena.

Die Veranstaltung ist Teil der Veranstaltungsreihe: Materialistische Rassismuskritik und findet im Rahmen der diesjährigen ALOTA (Alternative Orientierungstage) statt.

Über den Demokratischer Jugendring Jena e.V. wurde ein sicherer BigBlueButton-Server zur Verfügung gestellt. Über den Link: https://meetings.jugendring-jena.de/b/4kghbggxociyidf könnt ihr daran teilnehmen.

ALOTA 2020

Am Montag beginnen die diesjährigen Alternative Orientierungstage Jena 2020. Wir sind wie auch in den vergangenen Jahren mit einigen Veranstaltungen vertreten. Da alle Veranstaltungen Pandemie-bedingt online durchgeführt werden und nicht über ein Booklet o.Ä. beworben werden können, wollen wir hier noch einmal explizit auf unsere Vorträge und Workshops eingehen.

27.10 16 Uhr – ALOTA 2020 Ganz normale Männer? Zum Zusammenhang von männlicher Sexualität und Misogynie innerhalb der INCEL-Community

28.10 13 Uhr – ALOTA 2020 Wider die Friedhofsruhe: Frauen* und Aggression

28.10 19 Uhr – Peter Schulz: Hakennase, Ungeziefer, Weltverschwörung – Das Verhältnis von Antisemitismus und Rassismus

31.10 10 Uhr – ALOTA 2020 Rundgang in der Gedenkstätte Buchenwald

03.11 20 Uhr – Ingo Elbe – Postmoderner Antirassismus als Weltanschauung – eine Kritik

06.11 16 Uhr – ALOTA 2020 Frauen* und Arbeit im Kapitalismus

Eine vollständige Programmübersicht, Updates zu eventuellen Änderungen sowie Informationen über die Veranstaltenden findet ihr unter http://alota-jena.org/

Jeja Klein – Zum Fortleben sexueller Gewalt in aufgeklärten und linken Kreisen

23.10.20 / 18-21 Uhr – Online

Aufgeklärte Kreise und linke Milieus gerieren sich gern als Gegenpol zu Phänomenen wie Rassismus, Sexismus, Homophobie oder Antisemitismus. Schilder in linken Läden lassen etwa verlauten, Sexismus werde hier schlicht nicht geduldet. Doch warum hält sich etwa sexuelle Gewalt so hartnäckig in diesen Kreisen? Davon zeugen nicht zuletzt die ständigen Auseinandersetzungen, die vor allem Frauen zum Beispiel mit ehemaligen Partnern führen müssen. Diese Konflikte bilden jedoch nur die Spitze des Eisbergs dessen, was in den Betten dieses „aufgeklärten Milieus“ vor sichgeht. So ist das Erleben von Mitgliedern linker Szenen stark geschlechtlich getrennt: während sich Männer frei heraus um wichtige politische Anliegen, Demos, Aktionen und Strategien kümmern können, befinden sich viele linke Frauen und Queers in einem ständigen Beziehungskampf um Anerkennung, begehbare Räumlichkeiten und um ein soziales Netzwerk, in dem sie sich einfach nur sicher aufhalten können. Diesen Kampf führen sie nicht selten sogar gegeneinander.

Der Widerspruch zwischen antisexistischem Selbstbild und sexistischer Lebenspraxis liegt auch an der massiven Unterschätzung der Tiefe, mit der sich sexistische Gesellschaftsstrukturen in Denken, Fühlen und Handeln von uns allen eingraben. Auch eine weitgehende Unaufgeklärtheit über psychologische Grundlagen stellt ein Hindernis dar, um von progressiver Selbstinszenierung zu einem Handeln fortzuschreiten, das sexistische Normalitäten wirklich transformieren kann. Diese Diagnose bezieht sich ausdrücklich auch auf den sich als feministisch wähnenden Teil der Szene: mit Konzepten wie einer „sexualisierten Gewalt“, in der man keinerlei Sexualität, jedoch ausschließlich männliches Machthandeln zu erkennen glaubt, werden realistische Gegenkonzepte verunmöglicht. Entweder, sexistisches Handeln gilt als dermaßen dämonisch, dass man seinen Freunden, Bekannten und sich selbst solche Vorwürfe nicht zumuten möchte – oder, grenzüberschreitende Personen werden als dermaßen dämonische Täter stigmatisiert, dass ihr angestrebter Ausschluss aus der Szene vorwiegend der Gesichtswahrung der „antisexistischen“ Kreise dient. So werden Betroffene faktisch allein gelassen und die Mitschuld der Szene an einem Sündenbock gesühnt, dem man sich mitsamt der eigenen Verantwortungpraktischerweise entledigen kann. Allein: in den meisten Fällen gelingt dieses Anliegen dann nicht ein mal, wodurch der Schaden für Betroffene umso größer wird und zu einem eklatanten Vertrauensverlust in soziale Beziehungen führt.

Im Vortrag sollen psychologische und soziologische Grundlagen hinter Phänomenen wie sexueller und sexualisierter Gewalt geschärft und die besondere Bedeutung von Männern herausgearbeitet werden. Es wird sich zeigen, dass die Widersprüche, die die DNA des Konzepts der Männlichkeitbilden, notwendig und immer wieder zu Angriffen auf Frauen, Trans, Schwule, Lesben, Nichtbinäre usw. führen müssen. Besonders perfide: derlei Angriffe werden oft nicht mal bewusst als solche geplant und durchgeführt, sondern ergeben sich unterhalb der Schwelle des Bewusstseins aus einer archaischen Normalität, der niemand von uns gänzlich zu entfliehen vermag. Im Vortrag wird darum für eine antisexistische Praxis plädiert, die Konsensualität füralle Lebensbereiche vorschreibt und gelingende Beziehungsarbeit und vorausschauende Verantwortung in Beziehungsnetzwerken gegenüber Awareness-und Unterstützer*innengruppen vorzieht. Das Bild des Täter-Dämons müsste dann ersetzt werden durch die Einsicht in die tiefe persönlicheVerstrickung, die wir alle mitbringen – als selber grenzüberschreitende Person einerseits und als sozialer Faktor andererseits, als der wir die Übernahme von Verantwortung hemmen und abwehren. Sei es, weil wir Täter schützen oder sei es, weil wir sie zur Hölle jagen wollen.

Auf Grund der derzeitigen Covid19-Entwicklung und der Überschreitung der 7-Tage-Inzidenz von 35 in Jena führen wir die Veranstaltung mit Jeja Klein digital durch.

Über den Demokratischer Jugendring Jena e.V. verfügen wir über einen eigenen sicheren BigBlueButton-Server, den wir dafür nutzen wollen. Über den Link https://meetings.jugendring-jena.de/b/4kghbggxociyidf könnt ihr daran teilnehmen. Das Passwort lautet: 795890

Um die Veranstaltung gemeinsam starten zu können, werdet ihr manuell von uns freigeschalten – das kann ein kleines bisschen dauern. Deshalb bitten wir euch vorab um Geduld. Bitte seid rechtzeitig um 18 Uhr online, damit wir sicherstellen können, dass bei allen die Technik funktioniert und ggf. Probleme gelöst werden können

Während der Veranstaltung bitten wir euch, euer Mikrofon auszustellen, damit es keine Rückkopplungen gibt. Was bei Rückfragen zu tun ist, erklären wir dann zu Beginn.

Die Veranstaltung wird vom Referat gegen gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit des StuRa der FSU Jena zusammen mit dem Arbeitskreis “Prävention und Intervention Sexueller Gewalt” der Falken Jena und einigen Genossen aus der sich gerade gegründeten antipatriarchalen Männergruppe Jena organisiert. Sie bildet den Auftakt einer kleineren Veranstaltungsreihe zum Thema “Sexuelle Gewalt und Männlichkeit” zur der in Kürze weitere Informationen folgen.

Kim Posster – “Kritische Männergruppen”

16.10.20 / 18-21 Uhr – Carl-Zeiss-Straße 3, Hörsaal 2

Auf den ‘eigenständigen Männerstandpunkt’ ist kein Verlaß”, resümierte ein Aktivist der autonomen, pro-feministischen Männerbewegung 1995 seine sechsjährige Erfahrung in organisierten Versuchen von cis Männern, sich mit Feminismus in ein Verhältnis zu setzen und aktiv Patriarchatskritik zu betreiben. Trotz aller Widersprüche und Zweifel schließen seine Ausführungen mit der Abschlussthese: “Profeministisch orientierte Männerorganisierung von Gruppen und Einzelnen ist kein Patentrezept, bleibt aber eine unverzichtbare Etappe auf dem Weg zur herrschaftsfreien Gesellschaft!”Heute erinnert sich fast niemand mehr an diese Bewegung, ihre Auseinandersetzungen und ihr Scheitern. Über Männlichkeit und Feminismus wird trotzdem wieder verstärkt diskutiert: “Wie wird Mann Feminist?”Dieser Frage widmen sich in den letzten Jahren nicht nur einige Veröffentlichungen, sondern vermehrt auch wieder (cis) Männer selbst z.B. in Workshops zu “Kritischer Männlichkeit”. Doch ist diese Frage überhaupt richtig gestellt? Oder bedient sie nicht vielmehr ein Bedürfnis nach einer positiven, männlichen Identität, das der Entwicklung einer antipatriarchalen Solidarität und Praxis von (cis) Männern eher im Wege steht? Der Vortrag versucht diesen Fragen nachzugehen und in der (eigenen) Geschichte (pro-) feministischer Bewegung, aktuellen Diskussionen und feministischen Analysen Antworten zu finden.

Kim Posster, Leipzig, publiziert zu Feministischem Materialismus und Pro-feministischer Männerpolitik.

Wir planen die Veranstaltung vor Ort (Carl-Zeiss-Str.3, Hörsaal 2) durchzuführen. Da wir auf Grund des Hygieneplans der Universität nur begrenzt Plätze (~80) anbieten können, würden wir bitten verbindlich für die Veranstaltung zuzusagen. Dies könnt ihr hier bei der Facebook-Veranstaltung oder per Mail an info@falken-jena.de tun.

Die Veranstaltung wird vom Arbeitskreis “Prävention und Intervention Sexueller Gewalt” der Falken Jena und einigen Genossen aus der sich gerade gegründeten antipatriarchalen Männergruppe Jena organisiert. Sie bildet den Auftakt einer kleineren Veranstaltungsreihe zum Thema “Sexuelle Gewalt und Männlichkeit” zur der in Kürze weitere Informationen folgen.

Offener Brief an das Café Immergrün

Unsere Intervention gegen die derweil beendete Ausstellung “The Wall” im Café Immergrün hat es bis in die OTZ geschafft (Link s.u.). Gerne möchten wir die notwendige Debatte über das Problem des israelbezogenem Antisemitsmus vertiefen und wenden uns nochmal an das Café Immergrün:

“Liebes Team des Café Immergrün, sehr geehrter Herr Wagner,

als wir unsere Kritik an der Ausstellung „The Wall“ von Ursula Mindermann formulierten, hatten wir nicht damit gerechnet, welche Reaktionen das in der digitalen Welt auslösen würde und welch ein mediales Interesse daran erwächst.

Unsererseits erscheint es wichtig zu betonen, dass unsere Kritik nicht dem Café Immergrün bzw. seinem Team israelbezogenen Antisemitismus vorgeworfen hat, sondern sich klar auf die bei Ihnen gezeigte Ausstellung bezog. Darüber hinaus bedauern wir es inständig, wenn das Café bedroht wurde. Allerdings: Bisher wurde diese Behauptung nicht belegt und der Umstand, dass einzelne Menschen per Mail angekündigt haben, ihren Kaffee demnächst woanders trinken zu gehen, erscheint uns nicht als Drohung interpretierbar.

Wir haben den Eindruck, dass auf unsere Kritik vor allem mit Abwehrreflexen und Unterstellungen reagiert wurde: So hat uns Ursula Mindermann gleichzeitig Zensur vorgeworfen und eine Klage angedroht, was sie auch pressewirksam wiederholt hat. Darüber hinaus wurde uns beispielsweise in den sozialen Netzwerken von einem ihrer Sympathisanten unterstellt, wir würden die Verantwortung für den Holocaust den Palästinenser*innen anhängen wollen.

Uns geht es nicht um das Renommee einer Kleinunternehmerin aus Telgte mit grünem Parteibuch und Palästina-Faible, sondern um die Sache: Uns beschäftigt die Virulenz von offenem und verdecktem Antisemitismus, wie dieser sich transformiert und artikuliert. Dass es sich dabei nicht etwa um Gespenster der Vergangenheit handelt, haben unlängst die antisemitischen Ausfälle beispielsweise eines Attila Hildmanns bewiesen. Und wenn wir in Zeiten, in denen Antisemitismus wieder salonfähig wird, den Eindruck haben, dass mit diesem Problem unreflektiert umgegangen wird, sei es durch Auslassungen, Nicht-Kommentierung oder Bagatellisierung, dann möchten wir das Mindeste tun und unsere Stimme dagegen erheben.

Wir möchten diese Kontroverse gerne zum Anlass nehmen, die Debatte um das Thema »israelbezogener Antisemitismus« in Jena auszuweiten. Deshalb werden wir eine Vortragsveranstaltung mit einem*r Experten*in planen, die die Entstehung und Gegenwart von israelbezogenem Antisemitismus beleuchtet. Und an dieser Stelle wollen wir gerne den Gesprächsfaden aufnehmen und fragen, ob Sie und Ihr das gemeinsam mit uns angehen wollt und solch eine Veranstaltung in den Räumlichkeiten des Café Immergrün stattfinden kann. So wird der Ort der Kontroverse zum Ort der kritischen Auseinandersetzung.

Eure Falken Jena”

Ein kleiner Nachtrag sei noch gestattet: Derweil hat sich auch die Deutsch-Palästinensische Gesellschaft e.V., deren Vizepräsidentin Ursula Mindermann ist, in ihrem Rundbrief zum Vorgang geäußert und unterstellt uns “Drohungen, Druck und Diffamierungen”. Uns stellt sich dabei die Frage, von wem Drohungen, Druck und Diffamierungen ausgehen, wenn auf Kritik mit Klagedrohungen reagiert wird.

https://www.otz.de/regionen/jena/antisemitismus-vorwurf-gegen-ausstellung-in-jenaer-cafe-id229435602.html

Antisemitismus entgegentreten – Für die sofortige Beendigung der Ausstellung „The Wall – Bilder aus Palästina“ im Café Immergrün in Jena

Das Café Immergrün ist ein beliebter Treffpunkt für Studierende und junge Familien in Jena. Unter anderem ist es für wechselnde Kunstausstellungen an seinen Wänden bekannt. Die aktuelle Ausstellung wurde von der Vizepräsidentin der Deutsch-Palästinensischen-Gesellschaft Ursula Mindermann konzipiert, der im vergangenen Jahr die Einreise nach Israel verweigert wurde. Ein Sachverhalt, der wenig verwunderlich ist, wenn man die Botschaft der Bilder betrachtet: Parolen wie „from the river to the sea, palestine will be free“ stellen unverblümt das Existenzrecht Israels in Frage. Aussagen wie diese sind eine gängige Formel im sogenannten „israelkritischen“ Spektrum. Mit „river“ ist der Jordan gemeint und mit „sea“ das Mittelmeer. Dazwischen soll kein Israel mehr existieren, sondern nur noch Palästina. In dieser Formulierung steckt also die antisemitische Forderung nach der Auslöschung Israels. Dass dieses Bild zugleich mit einer Antikriegs-Rhetorik verniedlicht werden soll, passt in das typische Vorgehen der antizionistischen “Friedensbewegung”. Auf der Internetseite des Immergrüns wird die Ausstellung unkritisch beworben, thematisch passende Vorträge angedroht und ein ausschließlich positiver Bezug auf Mindermann und die Fotografien deutlich: http://www.cafe-immergruen.com.

Auf direkte Nachfrage wurden wir mit dem Hinweis vertröstet, dass es uns frei stehe eine Beschwerdemail zu formulieren. Dieses Angebot nehmen wir gerne wahr und möchten alle von Euch bitten, ebenfalls das Immergrün darauf hinzuweisen, was ihr von Antisemitismus haltet: cafe-immergruen@web.de.

Die Falken Jena

Einspruch gegen die Stellungnahme des Bundesverbandes zu den Zeltlagern

Mit Erstaunen haben wir den Aufruf des Bundesverbandes unter der Überschrift „Raus aus der Isolation! Sommerzeltlager 2020 ermöglichen!“ wahrgenommen. Darin geht es v.a. darum, dass angesichts der Erlaubnis kommerzieller Reiseangebote auch Zeltlager in der Jugendverbandsarbeit ermöglicht werden sollen.

Wir würden dem Bundesvorstand in der Einschätzung zustimmen, dass von den Lockerungen vor allem jene gesellschaftlichen Bereiche profitieren, mit denen Geld verdient werden kann. Während die Individuen ihre Freizeit möglichst in Selbstisolation zu Hause verbringen sollen, feiert das Kapital weiter seine Corona-Partys in Fabriken und Büros. Auch, dass gerade Schulen schrittweise für Abschlussklassen geöffnet werden, hat mehr mit dem Interesse an einem reibungslosen Nachschub an jungen Menschen für Ausbildung, FH und Universität (also für den Arbeitsmarkt) zu tun, als mit einer Sorge um das seelische und geistige Wohl der Kinder und Jugendlichen. Dabei ist wenig überraschend, dass die sozialen Kosten der Krise insbesondere von den Menschen getragen werden, die ohnehin schon gesellschaftlich benachteiligt sind – Obdachlose, Frauen*, Alleinerziehende, Migrant*innen und nicht zuletzt Kinder und Jugendlichen aus armen Verhältnissen. Bis hierhin besteht unter uns Einigkeit.

Mit dem Argument, dass angesichts der monatelangen Isolation zu Hause und dem erneut einsetzenden Schulzwang der „psychosoziale Ausgleich“ der Kinder und Jugendlichen gefährdet sei, wird nun von dem Falken-Bundesvorstand eine Freigabe von Zeltlagern gefordert. Hier spricht unser Bundesvorstand ganz als Anbieter von Ferienfreizeiten, in denen dieser Ausgleich gewährleistet wird.

Ist das alles, was wir dazu zu sagen haben?

Vorrangiges Ziel eines sozialistischen Kinder- und Jugendverbandes kann es nicht sein, sich als Fürsorge-Anbieter zu präsentieren, der hilft, den reibungslosen Schulbetrieb durch ausgleichende Freizeitangebote rasch zu ermöglichen. In Anbetracht der aktuellen Situation ist es vielmehr notwendig, der scheinbaren Normalisierung des Alltags zu widersprechen. Mit den Lockerungen gewinnt nicht nur das wirtschaftliche Leben, sprich Leistungsdruck und Konkurrenz, wieder an Fahrt. Ebenso steigt das Risiko einer Erkrankung an Covid-19. Das Statement des Bundesverbandes schweigt jedoch zu den gesundheitlichen Gefahren ganz im Geist der neuen “Corona-Müdigkeit”. Aus der Stellungnahme spricht der Wunsch, nicht den Anschluss zu verlieren, wenn im Laufgalopp die Lockerungen durch Parlamente gepeischt werden. Wir möchten hier gerne darlegen, inwiefern wir von unserem Bundesvorstand angesichts der aktuellen Lage etwas anderes erwarten, und was.

Es ist immer noch Vorsicht geboten

An der Gefährlichkeit des Virus hat sich seit dem Ausbruch in Deutschland, seit dem partiellen „Lockdown“ und seit dessen überstürzter Lockerung eigentlich nichts geändert. Was sich verändert hat ist, dass wir jetzt mehr über die Übertragungswege wissen und auch etwas mehr über die Krankheit selbst.

So wird derzeit davon ausgegangen, dass das Virus primär über den Weg der Tröpfcheninfektion übertragen wird, die v.a. bei engerem Kontakt stattfinden kann. Diese Erkenntnis ist die wissenschaftliche Grundlage für Kontaktbeschränkungen, Mindestabstand und Maskenpflicht.

Wir wissen außerdem, dass die Krankheit für einen Großteil der Menschen nicht tödlich verläuft. Ein Anteil von 22-43[1] % der Infizierten hat sogar keine Symptome. Das heißt aber nicht, dass wir uns mit Vertrauen auf die Statistik zurücklehnen können. Zum einen ist bisher nicht geklärt, wer im Falle einer Infektion einen schweren und wer einen leichten Krankheitsverlauf zu erwarten hat, auch wenn Alter und Vorerkrankung sicher eine Rolle spielen. Zum anderen ist immer noch wenig bekannt über Verlauf und Langzeitfolgen der Erkrankung. Eine neue Studie der Universitätsklinik Hamburg-Eppendorf hat jetzt ergeben, dass Covid-19 (die durch den Sars-CoV-2 Virus ausgelöste Krankheit) nicht nur die Lunge, sondern gleich mehrere Organe betrifft, nämlich auch Gehirn, Nieren, Herz und Blut. Hier kann es zu dauerhaften Schäden kommen. Auch bei asymptomatischen Personen wurden nach überstandener Erkrankungen bisweilen noch erschreckend niedrige Sauerstoffwerte im Blut gemessen.[2]

Beunruhigend sind zudem die aktuellen Meldungen über eine neue Kinderkrankheit, von der stark vermutet wird, dass sie im Zusammenhang mit dem neuartigen Corona-Virus steht: In einigen wenigen Fällen kann die Infektion neuesten Erkenntnissen zufolge zu einer Erkrankung führen, die dem sogenannten „Kawasaki“-Syndrom ähnelt, einer Überreaktion des Immunsystems, an der Kinder schwer erkranken und sogar sterben können.[3]

Zudem zeigt sich immer deutlicher, dass es eine starke soziale Komponente der Pandemie gibt. Insbesondere strukturell benachteiligte Gruppen sind von der Erkrankung am schlimmsten betroffen. Sie haben ein höheres Risiko, sich mit Covid-19 zu infizieren und gleichzeitig eine höhere Wahrscheinlichkeit, an den Folgen der Erkrankung zu sterben. Armut macht krank, auch und gerade in Zeiten einer globalen Pandemie. Kinder und Jugendliche aus armen Verhältnissen müssen daher besonders vor Infektionen geschützt werden.[4]

Für uns steht daher fest: Angesichts der Pandemie ist weiterhin größte Vorsicht geboten.

Die Lockerungen sind im Interesse der Wirtschaft

Eine vernünftige, nicht nach Maßgabe des Profits eingerichtete Gesellschaft könnte und würde auf eine Pandemie anders reagieren, als es derzeit der Fall ist. Während man in einer Gesellschaft, die auf die Bedürfnisse der in ihr lebenden Menschen ausgerichtet wäre, ohne größere Probleme die Produktion und den gesellschaftlichen Kontakt auf ein geringeres Maß reduzieren könnte, muss in dieser kapitalistischen Gesellschaft die Gesundheitsvorsoge gegen die ökonomischen Kosten, also die ausgefallenen Profite, abgewogen werden.

Entsprechend stellte das deutsche Kapital die Bundesregierung Anfang Mai vor ein Ultimatum[5], um die Einschränkungen wieder zurückzunehmen, damit so bald wie möglich wieder Waren produziert und gewinnbringend abgesetzt werden können. Seit Ostern werden denn auch im Laufschritt viele Einschränkungen wieder zurück genommen, während Virolog*innen und Epidemiolog*innen davor warnen, dass sich das Virus auf diese Weise schnell in ganz Deutschland ausbreiten könnte und bei einem erneuten Anstieg der Infektionen auch diejenigen Landstriche massiv betroffen sein könnten, die bislang eher verschont geblieben sind.[6]

Anstatt diesen Vorgang zu skandalisieren und eigene Akzente zu setzen, reihen sich die Falken nun ein in den allgemeinen Ruf nach einer Rückkehr zur Normalität. Wenn alle anderen wieder so weitermachen können wie vorher, so der Ton, dürfen die Falken dabei nicht auf der Strecke bleiben!

Verbandsroutinen

Damit tun wir es dem Rest der Gesellschaft gleich. Alle Akteure, so der Soziologe Amin Nassehi, treten angesichts der Pandemie so auf, wie sie es sonst tun; alle spielen die Rollen, die sie immer gespielt haben. Die Wirtschaft will Produktion wieder zum Laufen bringen, Gastronomie und Touristik wollen, dass wieder Menschen zirkulieren und konsumieren – und die Falken wollen ihre Zeltlager weiter machen! In der Soziologie nennt man so etwas „Pfadabhängigkeit“ – ist einmal abgesteckt, wohin die Reise gehen soll, geht es immer weiter in dieselbe Richtung.

Nur weil der Rest der Gesellschaft kopflos reagiert und alle auf ihren bornierten Interessen beharren – was eben bedeutet, nicht adäquat auf die Pandemie zu reagieren – sollten wir ihnen das nicht einfach gleichtun. Stattdessen sollten wir die soziale Um- und Vorsicht walten lassen, die unserer sozialistischen Überzeugung gemäß Gesetz der gesamten Gesellschaft sein sollte.

Nun bringen Zeltlager wie alle Kontexte, in denen viele Kinder unterwegs sind, das Problem mit sich, dass Schutzmaßnahmen zur Unterbindung von Infektionsketten nur schwer einzuhalten sind. Abstand halten ist hier kaum möglich und steht sogar entgegen dem Zweck der ganzen Angelegenheit: Dass Kinder und Jugendliche sich ausleben und ihren Interessen nachgehen können, ohne ständig reglementiert zu werden. Die Zeltlager sind damit ebenfalls ein Ort, wo sich Kinder anstecken können und von wo sie Infektionen in ihr familiäres und perspektivisch auch schulisches Umfeld tragen können.

Wir denken, dass Falken einen anderen, verantwortungsbewussten Umgang mit dieser neuen Situation finden können. Das würde dann aber bedeuten, Routinen zu durchbrechen und neue Wege zu beschreiten. Denn die Pandemie ist noch lange nicht vorbei.

Wir wollen:

… dass wir zusammen kreativ werden und situationsadäquate Wege finden, den Kontakt zu den bei uns organisierten Kindern und Jugendlichen aufrecht zu erhalten und dabei das Gesundheitsrisiko auf ein Minimum zu reduzieren.

… dass die Falken ihre Stimme gegen die oben beschriebenen Vorgänge erheben. Wir wollen keine Lockerungen für das Wirtschaftswachstum um den Preis von Krankheit und Tod.

… dass die Falken die Lebensbedingungen der Kinder und Jugendlichen aus der Klasse der Lohnabhängigen skandalisieren. Wir fordern
· eine Öffnung der Schulen nur unter Voraussetzung der Beratung mit den Schüler*innen und bei Aussetzung des Prüfungsbetriebes
· ein Solidarsemester an den Hochschulen
· Arbeitszeitreduktion bei vollem Lohnausgleich für Eltern
· die unbürokratische Sicherstellung des Existenzminimums für alle
· mehr Frauenhausplätze und Notfalleinrichtungen für gefährdete Kinder

… dass die Kinder und Jugendlichen mit ihren Wünschen in der Öffentlichkeit (und auch bei uns) selbst zu Wort kommen

… uns jetzt gemeinsam dagegen organisieren, dass erst die Gesundheitskrise und in absehbarer Zukunft auch die ökonomische Krise auf uns Lohnabhängige abgewälzt werden wird.

Uns ist es wichtig zu betonen, dass wir keinesfalls dafür plädieren, abzuwarten und Tee zu trinken. Gleichzeitig haben wir auch keinen Masterplan, was für die Falken insgesamt gerade zu tun wäre. Wir sind überzeugt davon, dass die Kreisverbände selbst am besten Maßnahmen entwickeln können, die ihren konkreten Anforderungen vor Ort entsprechen und die kollektiv mit den bei uns organisierten Kindern und Jugendlichen entstehen. Wir in Thüringen sammeln zum Beispiel gerade erste Erfahrungen mit Online-Hausaufgabenhilfe, digitalen Arbeitskreisen und Wandertagen in Kleingruppen. Außerdem halten wir es gerade jetzt für wichtig, unsere Erfahrungen mit Genoss*innen zu diskutieren.

Deshalb schlagen wir vor, dass der Bundesvorstand einen Austausch zwischen den Gliederungen organisiert, in dem es darum gehen soll, wie die Falkenarbeit in Zeiten der Pandemie auf neue Füße gestellt werden kann. Wir brauchen neue Ideen, keine eingefahrenen Routinen.
Passt aufeinander auf.

Solidarische Grüße,
Eure Falken Thüringen

[1] Heinsberg-Studie und Testergebnisse der italienischen Gemeinde Vo‘. Siehe https://www.rki.de/…/Neuartiges_Coronavirus/Steckbrief.html…
[2] Notarzt über Corona: “Wir sehen 30-Jährige ohne Krankengeschichte, die Bilder der Lungen sind beängstigend”, https://www.vrt.be/…/notarzt-ueber-corona-wir-sehen-dreiss…/
[3] Auch deutsche Kinder mit schweren Entzündungsreaktionen, https://www.faz.net/…/corona-auch-deutsche-kinder-mit-schwe…
[4] Covid-19-Arzt im Interview: „Es gibt eine sehr starke soziale Komponente bei dieser Krankheit“, https://www.faz.net/…/covid-19-arzt-es-gibt-eine-sehr-stark…
[5] Wirtschaft fordert Ende des Lockdowns, https://www.tagesschau.de/…/wirtschaft-deutschland-corona-1…, Deutsche Industrie stellt Merkel Corona-Ultimatum, https://www.bild.de/…/corona-krise-deutsche-industrie-stell…
[6] Drosten und Helmholtz-Forscher warnen vor zweiter Corona-Welle, https://m.tagesspiegel.de/…/wir-muessen-extr…/25756090.html…

Unter folgendem Link könnt ihr den ursprünglichen Beitrag des Bundesverbandes finden: https://www.wir-falken.de/aktuelles/meldungen/10840011.html

Versuchter Brandanschlag auf die Jenaer SPD

In der Nacht zu Freitag kam es in Jena zu einem Brandanschlag auf das Parteibüro der SPD in der Innenstadt. Mit Hilfe eines Brandbeschleunigers wurde eine Fahne vor dem Parteibüro angezündet. Den Brandbeschleuniger fand man auf der Terrasse des Hauses, das hauptsächlich als Wohnhaus genutzt wird. Die Polizei sieht davon ab, den Brandanschlag auf die Jenaer SPD als solchen zu bezeichnen, ungeachtet dessen, dass offensichtlich niemand ausversehen mit Brandbeschleuniger loszieht und zufällig Objekte vor einem beliebigen Parteibüro anzündet. Dass keine Anwohner*innen zu Schaden gekommen sind, scheint hinsichtlich der Tatsache, dass der Brandbeschleuniger auf der Terrasse des Wohnhauses gefunden wurde, ein glücklicher Zufall zu sein.

Die Falken Jena verurteilen den Brandanschlag auf die Jenaer SPD und die Taktik der Polizei, diesen nicht als solchen einzustufen. Das Agieren der Polizei macht wieder einmal deutlich, dass das Verharmlosen des Rechtsextremismus in Thüringen Kontinuität hat.

Der Brandanschlag fügt sich in eine Grundstimmung in Thüringen ein, die, trotz des Rückruderns der als demokratisch geltenden Parteien, gegenüber allem, was nicht in das völkische Weltbild von AFD und anderen Neonazis passt, zunehmend bedrohlicher wird.

Die Verhältnisse sind angsteinflößend angesichts dessen, dass sich dieser Anschlag in weitere jüngst stattgefundene einreiht. Die Schusslöcher in den Fenstern des Parteibüros des SPD-Politikers Karamba Diaby sind als nur ein Beispiel von vielen zu nennen.

Nicht nur die parlamentarischen Auswüchse menschenfeindlicher Ideologien gilt es anzuklagen, auch die Bedrohung auf den Straßen muss als solche erkannt und ernst genommen werden.

Es gilt, sich von Angst und Ohnmacht nicht dumm machen zu lassen und weiterhin für eine bessere Welt jenseits von der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen zu streiten und zu kämpfen.