Dritter globaler Klimastreik / Jena

20.09.19 / dritter globaler Klimastreik / Jena / 14:00 vor der Stadtkirche

Auf den kommenden Freitag (20.09.) fällt nicht nur der #Weltkindertag. An diesem Tag soll auch das Klimakabinett der Bundesregierung ein Maßnahmenpaket zur Erreichung der im Übereinkommen von Paris festgelegten Klimaziele bis 2030 vorlegen. Doch bisher sieht es ganz und gar nicht so aus, als ließe sich die #Klimakrise unter Fortbestehen der gegenwärtigen Bedingungen und Wirtschaftsweise abwenden.

Deshalb ruft Fridays for Future an diesem Tag zum dritten globalen Klimastreik auf. Der Aufruf richtet sich nicht nur an Schüler*innen, sondern explizit an jede Generation. Weltweit werden an diesem Tag Menschen auf die Straße gehen und gegen die anhaltende Klimazerstörung protestieren.

Höchste Zeit also, dass wir all den Schüler*innen, die seit Monaten jeden Freitag gegen die Klimakrise auf die Straße gehen, unsere #Solidarität zeigen!

Wir werden uns als Falken Jena am globalen Streik gegen die Klimakrise beteiligen und rufen euch alle dazu auf, es uns gleich zu tun! #ALLEFÜRSKLIMA

Los geht es in Jena um 14:00 Uhr an der Stadtkirche!

Mehr Informationen dazu, wie auch DU dabei sein kannst:
https://www.klima-streik.org/mitmachen

Hier findest du alle Demos und Klimastreikaktionen, wo du Falken treffen kannst. See you on the streets. 📣🌎🚩☀️
https://www.wir-falken.de/aktuelles/meldungen/10776658.html

Veranstaltungshinweis: Gespräch – Opposition! Was wir wollten und was dann kam

Heute Abend findet um 18 Uhr in Eisenberg eine Veranstaltung statt, auf die wir euch gerne aufmerksam machen wollen:

Opposition! Was wir wollten und was dann kam…
Ein Gespräch mit zwei DDR-Oppositionellen aus Jena und Weimar.

In den 80er Jahren begehrten Jugendliche in der ganzen DDR gegen die autoritären Zustände auf – auch in Thüringen. In Weimar spielte Maik Vollmann bei einer der ersten Punkbands der Republik, den Madmans, während Harry Zöller in Jena den Wehrdienst verweigerte und einen alternativen Leseladen aufmachte. Sie werden von ihren Erfahrungen und von den Diskussionen in der damaligen Oppositionsszene berichten: über Ökologie, Freiheit, Frieden, Selbstbestimmung, Reisefreiheit und andere Themen. Außerdem werden sie darüber sprechen, wie sie die Wendeereignisse erlebt und mitgestaltet haben und wie sie dann davon überrollt wurden.

Die Veranstaltung findet im Veranstaltungsraum „Gotthard Pabst“ im Hof der Stadtbibliothek Eisenberg am Steinweg 36 statt.”

https://www.facebook.com/events/395655864469805/

Für immer Ferien: Arbeitslos im Roten Salon!

Warum wir nicht einfach im Bett bleiben, wenn es regnet und in unseren Kaffee blinzeln, wissen wir meistens selbst nicht so genau. Obwohl wir uns mit der Arbeit nicht mehr anfreunden werden, stellen wir uns 5 Tage die Woche morgens an die Bushaltestelle und lassen uns die Laune verderben. Dabei haben die meisten von uns ihren Traumberuf, zusammen mit der Vorstellung, jemals ein fancy Auto mit Sitzheizung zu besitzen, schon in der Mittelstufe über Bord geworfen. Und die Sorge, dass wir ohne Arbeit gar kein richtiger Mensch sein könnten, löst sich spätestens im Jahresurlaub in Luft auf. Ins Büro treibt uns viel mehr die Angst vor der Lücke im Lebenslauf, vor dem Kontostand und der Sachbearbeiterin.

Im Roten Salon wollen wir uns darüber austauschen, wie arbeitslos sein funktioniert: Welche Strukturen erwarten euch im Arbeitsamt und mit welchen Kniffen erspart ihr euch Maßnahmenterror und Kürzungen? Wie organisiert ihr euch Unterstützung und hilfreiches Wissen? Wie schlimm kann sich der niedrige Rentenbescheid anfühlen und was macht man mit der ganzen Freizeit?

Selina ist seit 5 Jahren arbeitslos und verlässt das Haus bei Regen nur, wenn es sein muss!

23.09.19 / 19 Uhr / Wohnzimmer

Heimat – Eine Besichtigung des Grauens

Am 01.10.19 um 19 Uhr besuchen uns Thomas Ebermann und Thorsten Mense. Die beiden halten ihre szenische Lesung: “Heimat – eine Besichtigung des Grauens” im Kassablanca Jena. Wir freuen uns total und hoffen viele von euch dort zu sehen!

Veranstaltungsbeschreibung:
Heimat boomt. Ihre Allgegenwart markiert das Grundrauschen der
gesellschaftlichen Rechtsentwicklung. Kein Begriff siedelt so nahe an der Volksgemeinschaft wie dieser. Er gehört den Rechten und ist ohnehin nur Statthalter in einer Zeit, in der »Blut und Boden« so ohne weiteres nicht mehr propagiert werden können. Was Negation verdient, wird von jenen »Linken«, die notorisch noch den letzten Dreck nicht den Rechten überlassen wollen, dem alternativen Gebrauch zugeführt. So alternativ ist der oft aber nicht: Die Verwechslung des Menschen mit nicht umpflanzbaren Bäumen; die unentrinnbare Prägung durch Herkunft; die Liebe zu Gebietskörperschaft, Brauchtum und Eckkneipe; der Kampf gegen die Fremden und das Fremde; die Abscheu vor dem Zersetzenden; all das findet sich auch im »linken« Heimatdiskurs.

Das und vieles mehr – das Absurde und das Gefährliche – wird an diesem Abend auf Bühne und Leinwand besichtigt und vorgeführt, nachgespielt und kommentiert, analysiert und in die Tonne getreten. Stets parteiisch auf der Seite der historischen und zukünftigen Opfer der Heimat.

Hier findet ihr unsere Veranstaltung mit weiteren Informationen: https://www.facebook.com/events/345143299701330/

Dies ist eine Kooperationsveranstaltung der Sozialistische Jugend – Die Falken Jena mit dem Kulturreferat, dem Umweltreferat, dem Referat gegen Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit, dem Menschenrechtsreferat, dem Arbeitskreis Wissenschaftskritik und dem Stura der FSU Jena.

 

Stadtratssitzung zum Klimanotstand!

Diesen Mittwoch, den 04.09.19 ruft Extinction Rebellion Jena zusammen mit FridaysforFuture Jena wieder dazu auf, ab 18:00 vor dem Rathaus zu demonstrieren und die Stadtratssitzung, in der über den Klimanotstand in Jena abgestimmt werden soll, kritisch zu begleiten! Bringt eure Transpis und Leute mit und zeigt, dass die Stadt Jena nicht länger die Probleme dieser Welt ignorieren kann und endlich handeln muss!

Roter Salon: Die Liebe zur Herrschaft

Unser nächster Roter Salon beschäftigt sich mit dem Thema Polyamorie:

Die monogame Zweierbeziehung, sowie die zum Tauschverhältnis institutionalisierte Ehe, waren immer ein Gegenstand einer an Emanzipation ausgerichteten, feministischen Kritik. Seit einigen Jahren entwickeln sich reichlich Gegenentwürfe, die eine freie Liebesbeziehung ermöglichen sollen. Vergangenes Jahr feierte die Polyamorie mit zahlreichen Dokumentationen und Zeitungsartikeln ein mediales Revival. In den Sozial- und Verhaltenswissenschaften wird die Polyamorie immer häufiger als Forschungsgegenstand entdeckt. Nicht selten sind diese Beiträge allerdings einseitig positiv, sodass bspw. Volkmar Sigusch voller Emphase die Polyamorie als Beziehung beschreibt für die „Geschlechtszugehörigkeit der Beteiligten […] ebenso unbedeutend [ist] wie der Umstand, ob Sexualität stattfindet oder nicht“. Da Geschlecht in einigen polyamoren Kreisen als gänzlich überwunden erscheint, gerät eine kritische Auseinandersetzung von Geschlecht und Beziehung häufig aus dem Blickfeld.

Wir wollen uns schließlich anhand einer materialistischen und psychoanalytischen Kritik der Polyamorie als positives Modell im Allgemeinen, sowie ihrer Männlichkeit im Besonderen, die Frage stellen, wo die Fallstricke einer positiv bestimmten Form von Beziehung liegen, was an der Polyamorie erhaltenswert ist und wie eine emanzipative Beziehungsform aussehen könnte. In den Fokus der Betrachtung soll dabei ein Verhältnis von kapitalistischer Vergesellschaftung und Männlichkeit geraten, welches die Polyamorie als affirmatives Modell der Selbsterhaltung beschreibt. Somit soll gezeigt werden, dass die Polyamorie ein von den bestehenden Verhältnissen beeinflusstes, instrumentelles, selbstoptimierendes und somit leistungssteigerndes Modell ist, welches die Maßgaben von Kalkulierbarkeit, Effizienz und Vereinheitlichung aus dem Produktionsprozess auf die intimsten Beziehungen überträgt. Schlussendlich soll auf die These hingearbeitet werden, dass sich eine bestimmte Form polyamorer Männlichkeit als polyamorer Odysseus beschreiben lässt.

Montag, 22. Juli 2019 ab 19 Uhr im Wohni.

Kritik der Konsumkritik

Die dritte Veranstaltung folgt sogleich. Heute Abend wollen wir uns mit Konsumkritik auseinandersetzen. “Den Kern des Vortrags bildet die Frage danach, ob/inwiefern die Konsumkritik einer emanzipatorischen Aufhebung der Verhältnisse entgegensteht.” (17.07.19 CZS 3/SR 317, 19Uhr)

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Kritik der Konsumkritik.

Konsumkritik ist seit den 80er Jahren verankert in linken, sowie in rechten Strukturen und fand jüngst Einzug in das links-liberale Bewusstsein, in Werbung – in die Verhandlung des öffentlichen Diskurses.

»Vegetarismus gegen den Klimawandel« oder »Kleiner ökologischer Fußabdruck, statt großeKrise« sind bekannte Slogans. Die ReferentInnen werden zunächst versuchen, das breite Feld der Konsumkritik als Gegenstand greifbar zu machen, in dem sie Beispiele von konsumkritischen Praxen in unterschiedlichsten Sphären nennen und diese auf gemeinsame Mechanismen und ideologische Grundmomente untersuchen. Den Kern des Vortrags bildet die Frage danach, ob/inwiefern die Konsumkritik einer emanzipatorischen Aufhebung der Verhältnisse entgegensteht.”

https://www.facebook.com/events/621941248310624/

Solidarität mit den quälbaren Körpern

Wir möchten an unsere Veranstaltung heute Abend erinnern (16.07.19 CZS 3/SR 317 um 19 Uhr): “Solidarität mit den quälbaren Körpern. Eine materialistische Kritik des Mensch-Tier-Verhältnisses” mit Thomas Krüger.

Dies ist die zweite Veranstaltung im Rahmen unserer Veranstaltungsreihe “Alle reden übers Wetter. Wir auch.

” […] Der Vortrag exemplifiziert den Widerstreit zwischen Idealismus und Materialismus am Mensch-Tier-Verhältnis. Die Beziehung von Menschen und Tieren wird nicht zuletzt durch die gesellschaftliche Waren- und Rechtsform vermittelt. Es soll gezeigt werden, dass eine materialistische Kritik der Ausbeutung und Unterdrückung von Menschen und Tieren die leiblichen und mentalen Qualitäten leidens- und bewusstseinsfähiger Lebewesen und damit den Begriff des Glücks in den Mittelpunkt stellen muss. Die Annahme, dass der Schmerz alle kategorialen Unterschiede zwischen Menschen und Tieren einebnet und das ganze Leben derer aufsaugt, die er ergriffen hat, mündet in einem Plädoyer für die Solidarität mit den quälbaren Körpern.”

https://www.facebook.com/events/480339362728190/

Nichts ist in Ordnung.

Am 10.07.19 haben die Falken Jena eine Kundgebung am Holzmarkt zum Tod Walter Lübckes und gegen rechte Gewalt verantstaltet. Im Folgenden dokumentieren wir unseren Redebeitrag:

Liebe Anwesende, liebe Freundinnen und Freunde, liebe Genossinnen und Genossen,

am 02. Juni – also vor knapp 5 Wochen – wurde der amtierende Kassler Regierungschef Walter Lübcke auf der Terrasse seiner Wohnung durch einen Kopfschuss hingerichtet. Sein Mörder war, mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit, der Neonazi Stephan Ernst[1]. Wir sind heute hier zusammengekommen, denn wir trauern um den Verlust, den die Angehörigen und die Familie von Walter Lübcke erlitten haben. Er ist ein weiteres der zahlreichen Todesopfer des rechten Terrors in der Bundesrepublik Deutschland. Er ist einer von mindestens 184 Menschen, die allein seit 1990 in Deutschland von Neonazis getötet wurden[2]. Die Tat stellt auf einer Seite eine Zäsur dar, da sie an einem Repräsentanten des Staates verübt wurde. Sie reiht sich gleichzeitig nahtlos in eine Kontinuität des rechten Terrors ein.

Im Visier rechter AkteurInnen stand Lübcke spätestens seitdem er im Jahr 2015 bei einer Bürgerversammlung den Bau einer Unterkunft für Geflüchtete verteidigte. Er sprach dabei von Werten und sagte: „Wer diese Werte nicht vertritt, hat die Freiheit, dieses Land zu verlassen.” Dies, so Lübcke, sei die Freiheit eines jeden Deutschen[3]. Lübcke erntete für diese Aussage bereits im Saal der Bürgersammlung Buh-Rufe. Nach der Versammlung brach sich die rechte Hetze in sozialen Netzwerken ungefiltert Bahn und wurde durch verschiedene Politikerinnen und Politiker befeuert. Das rechte Portal Politically-Incorrect-News (PI) verbreitete seine Kontaktdaten und Privatadresse. Der Autor Akif Pirinçci nahm Lübckes Äußerung in einer Rede bei PEGIDA als Beispiel für die vermeintliche Ignoranz „der Macht“ gegenüber „dem eigenen Volk“. Lübcke erhielt zahlreiche Morddrohungen und stand zwischenzeitlich unter Polizeischutz[4].

Der Mörder von Walter Lübcke, Stephan Ernst, gehörte zum Umfeld der hessischen NPD und den Autonomen Nationalisten und war bereits mehrfach aufgrund von rassistisch motivierten Gewaltdelikten vorbestraft, u.a. wegen eines versuchten Anschlags auf eine Unterkunft für Geflüchtete mit einer Rohrbombe im Jahr 1993[5]. Nachdem es bislang hieß, dass Stephan Ernst seit 2009 dem Bundesamt für Verfassungsschutz nicht mehr als aktiver Neonazi aufgefallen wäre, liegen nun neue Erkenntnisse darüber vor, dass Ernst noch 2011 Mitglied des neuheidnischen und neonazistischen Vereins “Artgemeinschaft” war[6]. Zudem gibt es Indizien, dass Stephan Ernst Kontakte zum deutschen Ableger des aus Großbritannien stammenden Neonazinetzwerkes Combat 18 pflegte, das sich selbst als »Terrormaschine« der militanten Neonaziszene bezeichnet[7].

Ob Stephan Ernst Einzeltäter war, ist keine Frage, die sich stellt. Dies ist gänzlich unabhängig davon, ob im weiteren Verlauf der Ermittlungen festgestellt werden kann, dass er für die konkrete Tat Unterstützung erhielt. Eine Tat wie die von Stephan Ernst bedarf der vorausgehenden Konstruktion eines Weltbildes, die sie legitimiert. Der Aufbau eines solchen Weltbildes erfolgt in den seltensten Fällen allein im stillen Kämmerlein, sondern ist Ergebnis rechtsterroristischer Strukturen und Organisation.

Diese wiederum entstehen nicht im luftleeren Raum. Sie sind Ausdruck eines gesellschaftlichen Klimas, das rechtsterroristische Anschläge und Morde seit Jahren ermöglicht und legitimiert. Mit diesem Klima hat nach dem Mord an Walter Lübcke kein Bruch stattgefunden. Obwohl wir diese Situation seit Jahren beobachten, haben uns einige der öffentlichen Statements, die nach dem Mord abgegeben wurden, in besonderer Weise fassungslos und wütend zugleich zurückgelassen.

Genannt sei z.B. die Aussage des Bundestagsabgeordnete der AfD Martin Hohmann. Dieser wies einem von der CDU und Angela Merkel befürworteten angeblichen “Massenzustrom an Migranten” die Schuld am Mord von Walter Lübcke zu[8]. Schützenhilfe bekam er dafür vom neuen Präsidenten des Verfassungsschutzes, Thomas Haldenwang. Er leugnete jegliche Verantwortung seiner eigenen Behörde und gab gleichzeitig zu bedenken, dass die Ursachen für das Erstarken rechter Strukturen eher in der Flüchtlings- und Migrationspolitik zu suchen seien[9].

Der sächsische CDU-Parteikollege von Walter Lübcke, Michael Kretschmar schaffte es in Bezug auf die Tat vor einer vermeintlichen Gefahr vor links- und rechtsextremen Kräften zu warnen und berief sich auf einen “gesunden Patriotismus”, den alle Deutschen miteinander leben würden und den er für völlig normal halte[10].

Die Gleichsetzung einer vermeintlichen, aber faktisch nicht vorhandenen tödlichen Bedrohung durch linke Kräfte und der von Rechts-Terroristen verübten Morde und Anschläge, schafft eine groteske Relativierung der Ereignisse. Die Berufung auf einen “gesunden Patriotismus”, den nur die Ränder des politischen Spektrums nicht teilen würden, leugnet jegliche gesellschaftliche Verantwortung für die Tat.

Der “gesunde Patriotismus”, von dem Kretschmar redet, drückt sich währenddessen darin aus, dass laut der Leipziger Mitte-Studie über die Hälfte der Deutschen die Bundesrepublik in einem gefährlichen Maß für überfremdet halten und über ein Viertel der Befragten finden, dass die Darstellung der Verbrechen des Nationalsozialismus in der Geschichtsschreibung weit übertrieben sei[11]. Dies zeigt, wie wenig irgendetwas in diesem Land als “gesund” bezeichnet werden kann.

Das Verhalten der CDU und ihres Abgeordneten macht im Endeffekt vor allem deutlich, wie schlimm die Lage wirklich ist. Denn diese Stimmung in der eigenen WählerInnenschaft ist es, die es opportun macht – nachdem ein Parteikollege hingerichtet wurde – weiter nach rechts zu rücken, statt eine konsequente Aufklärung und Zerschlagung rechtsterroristischer Netzwerke zu forcieren.

Die hämischen Kommentare in den sozialen Medien, über den Mord an Walter Lübcke sowie die zahlreichen weiteren Morddrohungen, die inzwischen bei Politikerinnen und Politikern eingegangen sind[12], sind ein Ausdruck weiterer verbaler Enthemmung. Diese Kommentare zielen auf Einschüchterung und Bedrohung und wir wollen heute einräumen: ja, diese Umstände machen uns Angst. Unsere Wut über die Verhältnisse, mit der die Trauer im Fall von Walter Lübcke gemischt ist, bleibt angesichts dieser Zustände in Deutschland ohnmächtig.

Auch das breite Wissen über rechte Netzwerke, das von Strukturen wie NSU-Watch, Der rechte Rand, Exif, u.a. erarbeitet wurde, bleibt aufgrund gesellschaftlicher Kräfteverhältnisse politisch weitestgehend konsequenzlos.

Der Unerträglichkeit dieser Situation möchten wir heute Ausdruck verleihen. Sie ist der Grund für unsere Ohnmacht und Verzweiflung und sie ist gleichzeitig der Grund, warum wir nicht aufhören können, gegen diese Zustände vorzugehen. Teil dieser Unerträglichkeit ist es nicht zuletzt, dass uns, aufgrund der stetig neuen hasserfüllten Kommentare sowie grotesken und zynischen Statements zum Mord an Walter Lübcke, jeglicher Moment des Innehaltens genommen wird.

Dieser Situation können wir auch mit der heutigen Kundgebung nicht viel entgegensetzen. Deshalb bleibt uns heute nichts anderes übrig, als unserer Wut und Trauer allein dadurch Ausdruck zu verleihen, die gesellschaftliche Situation, die Morde wie den an Walter Lübcke tagtäglich ermöglicht, zu skandalisieren. Da uns ein Moment des Eingedenkens vor diesen Umständen kaum möglich erscheint, möchten wir diese Veranstaltung ohne eine symbolische Schweigeminute beenden. Wir möchten jedoch im Anschluss an diesen Redebeitrag das Angebot machen, sich mit den Umstehenden und Teilnehmenden auszutauschen.

Zu diesem Zweck werden wir die Kundgebung noch eine Weile aufrechterhalten.


[1]https://www.hessenschau.de/politik/stephan-ernst-hat-mord-an-luebcke-gestanden,luebcke-mord-gestaendnis-100.html

[2]https://opfer-rechter-gewalt.de

[3]https://www.youtube.com/watch?time_continue=2&v=KdnLSC2hy9E

[4]https://taz.de/Drohungen-gegen-Walter-Luebcke/!5604270/

[5]https://exif-recherche.org/?p=6218

[6]https://www.welt.de/politik/deutschland/article196039643/Mordfall-Luebcke-Taeter-tauchte-noch-2011-im-Umfeld-von-Neonazi-Truppe-auf.html

[7]https://exif-recherche.org/?p=6284

[8]https://www.faz.net/aktuell/rhein-main/afd-abgeordneter-sieht-cdu-mitschuld-am-tod-luebckes-16253407.html

[9]https://www.zdf.de/nachrichten/zdfspezial/zdf-spezial—mordfall-luebcke–waffenfunde-und-weitere-verhaftungen-clip-4-100.html

[10] https://twitter.com/cdusachsen/status/1140950916763475968

[11]https://www.boell.de/sites/default/files/leipziger_autoritarismus-studie_2018_-_flucht_ins_autoritaere_.pdf?dimension1=ds_leipziger_studie

[12]https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/seehofer-zu-fall-luebcke-anschlag-gegen-uns-alle-gerichtet-16242608.html