Veranstaltungsreihe gegen die Ohnmacht

Falken Jena Theorie und Praxis

„Eigentlich kann ich tun, was ich will
Aber schau, praktisch geh´ ich dafür in den Bau
Theoretisch scheiß ich auf alles, doch das geht nicht
Denn praktisch erlaub´ ich mir kein Fehltritt“

In dem gleichnamigen Lied thematisieren JokA & Bushido, wie sie sich in ihrem Lebensalltag immer wieder an der Unvereinbarkeit von ‚Theorie und Praxis’ stoßen. Innerhalb linker Zusammenhänge wird dieser Widerspruch oft einseitig aufgelöst. Die Theoretikerinnen einerseits haben erkannt, dass es ohne Aufklärung des Bewusstseins keine Revolution geben kann und versuchen sich, aus Angst vor der falschen Praxis, auf den geistigen Standpunkt der Kritik zurückzuziehen. Die Praktikerinnen anderseits haben die Ohnmacht der Theorie erkannt und experimentieren mit Praxis- und Lebensformen, um für eine befreite Gesellschaft im hier und jetzt zu kämpfen – unterschätzen dabei aber immer wieder ihre eigene Verstrickung im und die Totalität des falschen Ganzen.
Obwohl die meisten anerkennen würden, dass es für eine gesellschaftliche Emanzipation einer revolutionären Theorie und Praxis bedarf, scheinen sich beide oft gegenseitig auszuschließen. Das nährt unsere Vermutung, dass das prekäre Verhältnis von Theorie und Praxis weniger auf Fehlentscheidungen der Individuen verweist, als viel mehr auf gesellschaftliche Widersprüche. Worin bestehen diese Widersprüche? Und wie wirken sie auf uns, die sich gegen die Zumutungen dieser Gesellschaft organisieren wollen? Diesen und verwandten Fragen haben wir uns in unserem AK Theorie und Praxis genähert. Im Rahmen dieser Veranstaltungsreihe haben wir Freundinnen und Freunde eingeladen, um den Widerspruch zwischen Theorie und Praxis besser bestimmen zu können. Zudem wollen wir verschiedene Ideen und Versuche kennenlernen, diesem Widerspruch sinnvoll zu begegnen.

Wenn jemand während einer unserer Veranstaltungen gerne Kinderbetreuung in Anspruch nehmen möchte, meldet Euch gerne per Mail: info@falken-jena.de

Vortrag: Theorie und Praxis
30. Mai um 19 Uhr im Seminarraum 113 (Universität Jena)
Mit Philipp Schweizer von den Falken Erfurt

Dass Theorie und Praxis zwei unterschiedliche Dinge sind, scheint offensichtlich: Etwas Tun und Denken, über etwas reden und etwas verändern sind immerhin zwei Paar Schuhe.
In der Linken gibt es in der Regel zwei Wege damit umzugehen. Einerseits schlägt man sich auf eine der beiden Seiten. Da wissen die Theoretiker*innen alles besser, solange sie nicht zeigen müssen, dass sie es auch besser können oder die Praktiker*innen halten sich zu Gute, dass sie immerhin etwas tun würden und schon deswegen im Recht wären, egal wie blödsinnig ihre Ideen und Aktionen sind. Andererseits wird versucht die beiden miteinander auszusöhnen, die richtige Theorie zu finden, die schon zur richtigen Praxis führe, oder zur richtigen Praxis, aus der dann die richtigen Gedanken folgen sollen.
Im Vortrag soll das Verhältnis von Theorie und Praxis näher beleuchtet werden und gezeigt werden, warum keiner dieser beiden Wege zu einer Kritik der Gesellschaft führt.

Workshop: Geschlecht und Theoriearbeit
7. Juni um 19 Uhr im Seminarraum 113 (Universität Jena)
Mit Franzi und Maria von den Falken Thüringen

Gemeinsam wollen wir die Welt verstehen und verändern. Eine kritische Auseinandersetzung mit der Verfasstheit dieser Gesell schaft ist für uns nicht nur ein Hobby, sondern ein wichtiger Bestandteil unseres Kampfes für eine bessere Welt.
Nun sind wir als Frauen* immer wieder damit konfrontiert, dass uns die Fähigkeit zu abstraktem Denken abgesprochen wird oder wir uns das selber nicht zutrauen. Unsere Erfahrung ist, dass auch linke Theoriearbeit doch eher „Männersache“ bleibt. „Bloß“ feministische Theorie scheint für Frauen* übrig zu bleiben.
In diesem Workshop wollen wir über die Erfahrungen diskutie- ren, die wir als Frauen* bei linker Theoriearbeit machen. Darüber hinaus sollen die Strukturen und Mechanismen aufgedeckt werden, die Frauen* die Theoriearbeit erschweren – dies berührt Fragen der psychischen Konstitution von Frauen* wie auch den vorherrschenden Charakter von Theoriearbeit selbst.
Der Workshop arbeitet mit einem Thesenpapier und ist nur für Frauen* gedacht.

Thesen zum Vorrang der Praxis
16. Juni um 19 Uhr im Seminarraum 113 (Universität Jena)
Diskussionsveranstaltung mit L&M

Vor einigen Jahren fand in der Thüringer Linksradikalen-Gazette „Lirabelle“ eine Debatte über Theorie und Praxis statt. Eine derartige Debatte gibt es in der Linken, seit sie sich von der historischen Arbeiterbewegung gelöst hat – oftmals drehen sich die daran Beteiligten im Kreis. Die Debatte in der Lirabelle unterschied sich davon einerseits dadurch, dass hier Fraktionen miteinander diskutierten, die sich sonst kaum noch etwas zu sagen haben – andererseits dadurch, dass bestimmte Grautöne das Feld produktiv verwirrt haben. L&M haben sich an dieser Debatte beteiligt. Wir wollen die zentralen Thesen vorstellen und argumentieren, dass Theorie unweigerlich vom Feld der Praxis ausgeht – und dass sie sich als fundierter erweist, wenn sie sich selbst als Reflexion von Praxis begreift. Außerdem wollen wir versuchen, einige Ordnungs-Kategorien in das Feld der Praxis einzuführen, um anschließend etwas näher auf das Verhältnis von revolutionärer Theorie und Praxis einzugehen. Dieses Verhältnis erweist sich unseres Erachtens selbst immer als historisch bedingt.

Die Thesen aus der Lirabelle können hier nachgelesen werden.

Eine Tradition in vielen Splittern
23. Juni um 19 Uhr im Seminarraum 113 (Universität Jena)
Diskussionsveranstaltung über die Scherbentheorie mit Franza Ranner, Josef Swoboda und Karl Rauschenbach.

Organisiert euch! In Deutschland ist es seit etwa 50 Jahren üblich, dass Revolutionäre oder welche, die sich im oft jugendlichen Überschwang gerne für solche halten würden in Kleingruppen organisieren und wo ehemals die Kommunistische Partei war, ist jetzt ein bunter Flickenteppich verschiedener mehr oder weniger eigenbrödlerischer Vereinigung, die manchmal sich in Bündnissen zusammenschließen. Schwillt eine dergestalt organisierte Bewegung an, kann man dieselbe noch verklären, indem man deren Konfusion mit Friedrich Engels daraus erklärt, dass „alles Massendenken sich zuerst in Widersprüchen, Unklarheiten, Zusammenhangslosigkeiten bewegt“ und sich die Sache später klarer darstellen wird. In solchen Phasen sehe man dann die verschiedenen Splittergruppen „sich untereinander mit mindestens ebenderselben Heftigkeit bekämpfen wie den gemeinsamen Feind draußen.“ Auch in diesem günstigen Fall, bei dem die Herrschaft der Bourgeoisie immerhin auch angegriffen wird, bissen sich sämtliche Versuche eine einheitlichere Organisationsstruktur zu schaffen, die Zähne aus, indem, so immernoch Engels, ihre Initiatoren „die Einigkeit predigten, wo keine Einigkeit möglich war.“ Doch wie sieht es dann aus, wenn die Gruppen kaum mehr zanken und dabei der Feind ruhig schlafen kann? Mit diesem Zustand des radikalen Grüppchenzoos beschäftigte sich vor einigen Jahren die Schrift „Scherbentheorie“. Diese soll vorgestellt und diskutiert werden.

– Die Scherbentheorie
Reflexionen zum Umfeld, aus dem die Scherbentheorie entstand
Notiz zur Scherbentheorie wegen einiger Interpretationsschwierigkeiten derselben

Der kommende Aufprall
28. Juni um 19 Uhr im Seminarraum 113 (Universität Jena)
Vorstellung und Diskussion des Strategiepapiers „Der kommende Aufprall – Auf der Suche nach der Reißleine in Zeiten der Krise“ mit Antifa Kritik und Klassenkampf“

In den letzten Jahren hat die radikale Linke ein verstärktes Interesse an der sozialen Frage und auch an der Unterstützung der Kämpfe von Lohnabhängigen entwickelt. Außerdem wurde die Frage der eigenen Stellung diskutiert: Erst, wenn sich auch linksradikale Polit-Gruppen selbst als Teil der Klasse begreifen, führen sie nicht mehr einen äußerlichen Kampf, sondern setzen als Teil der kämpfenden Klasse an ihrer eigenen Proletarisierung an. Dabei sind es besonders Kämpfe in den sogenannten „prekären“ Bereichen wie der sozialen Arbeit, in der Pflege oder in Krankenhäusern, in denen die DGB Gewerkschaften kaum vertreten sind, wo die Linke eigene Akzente setzen konnte. Gleichzeitig handelt es sich dabei aber auch um Bereiche, in denen die Lohnabhängigen über wenig Produktionsmacht verfügen. Mit dem Text „Der kommende Aufprall. Auf der Suche nach der Reißleine in Zeiten der Krise“ lieferte die Gruppe Antifa Kritik & Klassenkampf (Frankfurt a.M.) einen Beitrag zu dieser in den letzten Jahren in der (radikalen) Linken verstärkt geführten Strategiedebatte über die Einmischung der radikalen Linken in die alltäglichen Kämpfe der Klasse. Zudem wird danach gefragt, welchen organisatorischen Ausdruck solche selbstorganisierten Kämpfe bekommen könnten.
Bei der Veranstaltung sollen diese Überlegungen vorgestellt werden und mit Euch zusammen diskutiert werden, was dies für unsere alltägliche Praxis bedeuten könnte.

Vortrag zu Solistreikarbeit
5. Juli um 19 Uhr im Seminarraum 113 (Universität Jena)
Mit dem Streik-Solidaritätsbündnis Leipzig

Bei den Krisen im heutigen Kapitalismus handelt sich nicht nur um Krisen des Staates, der Kapitalfraktionen usw. Es ist auch eine Krise der linksradikalen Bewegung, da es dieser nicht ge- lingt eine Perspektive auf Veränderung der Gesellscha zu ent- werfen, die am Alltag der Menschen im Kapitalismus anknüp . Sie scheitert meistens daran, die Kritik der herrschenden Ver- hältnisse den Unterdrückten näher zu bringen.
Hier knüp unsere Arbeit als Amazonstreik-Solibündnis an: Aus den Alltagskämpfen und -erfahrungen heraus, wollen wir im Arbeitskampf der Amazon-Belegscha um einen Tarifver- trag, gemeinsam eine emanzipative Perspektive auf gesellscha – liche Veränderung entwickeln. Wir möchten mit Euch diskutie- ren über unser tastendes Voranschreiten, die Erfahrungen mit gewerkscha licher Betriebspolitik des DGB und dem Eindruck momentan am Punkt der tendenziell vollständig automatisier- ten Logistikbranche zu stehen.
In unserem Vortrag wollen wir in den Austausch über Ansätze linksradikaler Politik kommen.

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