Redebeitrag zur Demo „Lernfabriken meutern“

Hier unser Redebeitrag, den wir auf der „Lernfabriken meutern“ Demo am 21. Juni 2017 gehalten haben, im Wortlaut:

„Die Lehrer*innen sagen, wir würden nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen. Wofür im langweiligem Schulalltag nur ein müdes Lächeln zu bekommen ist, wirft allerdings die Frage auf, was das für ein Leben ist, für das man 10 – bis 15 Jahre Lernen muss.
Die Schule und die Universität haben den Zweck uns so zu qualifizieren, dass wir in der Lage sind, uns später dem Staat oder Kapital andienen zu können. Was wir lernen wollen ist dabei zweitrangig. Stattdessen sind die Lerninhalte darauf zugeschnitten, was in Beruf und Gesellschaft erforderlich scheint. Schule und Universität sollen die Arbeitskräfte hervorbringen, nach denen die Wirtschaft verlangt und die deren Anforderungen entsprechen. Dabei hat die Schule nicht nur die Funktion von Wissensvermittlung oder die einer „Lernfabrik“, sondern erzieht die Menschen. Hier lernen die zukünftigen Arbeitskräfte sich selber zu disziplinieren, den Konkurrenzkampf anzunehmen und mit dem Leistungsdruck selbstbestimmt umzugehen. Die Notenverteilung, die Anwesenheitspflicht oder das eigenverantwortliche erledigen aufgezwungener Arbeiten sind Ausdruck davon. Das Erlernen dieser Fähigkeiten bildet gleichzeitig die Grundlage dafür, dass die Schüler*innen sich möglichst reibungslos in die Gesellschaft einfügen. Wer nicht bereit ist sich diesen Anforderungen zu beugen, muss mit krassen Sanktionen rechnen: Sitzen bleiben, von der Schule fliegen oder durch schlechte Abschlüsse später einen besonders beschissenen Job machen zu müssen.
Fehlende Selbstbestimmung im Bildungssystem resultiert aus der Funktion, die dieses in der Gesellschaft hat. Das im Grundgesetz verankerte Recht auf Bildung, wird zum Zwang zur Bildung. Einerseits, weil es für Niemanden in dieser Gesellschaft vorgesehen ist nicht in die Schule zu gehen. Andererseits wird der Zwang subjektiv zur Pflicht, weil schon kleinen Kindern beigebracht wird, dass wer sich in der Schule nicht anstrengt, es auch später zu nichts bringen wird. Selbstbestimmung unter diesen Vorrausetzungen bedeutet die Selbstbestimmung sich später in der kapitalistischen Gesellschaft verkaufen zu dürfen und dabei den geforderten Fähigkeiten und Kenntnissen zu entsprechen.
In der arbeitsteiligen kapitalistischen Gesellschaft müssen nicht alle alles wissen. Für die unterschiedlichen beruflichen Funktionen braucht es jeweils sehr spezielle Qualifikationen. Die unterschiedlichen Qualifikationen sind nicht bloße Unterschiede im Wissen, sondern begründen gleichzeitig den sozialen Status. Die Selektion die es dafür bedarf wird in jedem Bildungsschritt vorgenommen. Schüler*innen werden nach der vierten Klasse auf Regelschule und Gymnasien verteilt und können sich jeweils anschließend mit ihren Abschlüssen auf Ausbildung oder Universität bewerben. Die dort erworbenen Abschlüsse bilden die Voraussetzung, um sich auf bestimmte Berufe oder Berufsgruppen erfolgversprechend bewerben zu können. Einen Job garantiert ein Abschluss dabei noch lange nicht.
Wir wollen keinen Konkurrenzkampf. Auch nicht, wenn er unabhängig von der Herkunft, dem Geschlecht oder Klassenlage stattfinden kann. Nicht nur die ungleiche Stellung in der Konkurrenz gilt es zu kritisieren, sondern die Existenz der Konkurrenz selbst, die uns unter ständigen Druck setzt und vernünftige kollektive Lösungen verhindert. Dabei bleibt es natürlich trotzdem notwendig, Maßnahmen zu ergreifen, die bestehende Diskriminierungen abbauen. Etwa wenn es um Kinderbetreuung für alleinerziehende Eltern, Universitätszugang ohne Abitur oder kostenlose Nachhilfe geht. Dies ist notwendig, weil es einerseits einen Zugewinn an Möglichkeiten für die Betroffenen in diesem System bedeutet und weil es andererseits oft erst die zeitlichen Freiräume schafft politisch tätig zu werden, um die Konkurrenzgesellschaft zu überwinden.
Im Gegensatz zum Aufruf zu dieser Demonstration ist unsere Kritik nicht konstruktiv: Wir Kritisieren das Diktat der Universität und der Schule über das Leben der Einzelnen und nicht bloß den Inhalt dieses Diktats. Wir wollen nicht gezwungen werden eine auch noch so schöne Erzählung zu schreiben, sondern selber zum Subjekt unserer eigenen Geschichte werden. Nutzt und erweitert die Möglichkeiten die Universität mitzugestalten, um die Freiheit von ihr zu schaffen.
Deswegen wollen wir kollektive Praktiken entwickeln, die nicht nur das eigene Studium oder die Schulzeit wieder mit Freiheit bereichern, sondern auch gleichzeitig mit dem System der Konkurrenz brechen und einen Ausblick auf eine vernünftige Organisation von Gesellschaft bieten. Also: Lasst Anwesenheitslisten verschwinden! Schummelt bei Klausuren und Hausarbeiten und unterstützt euch gegenseitig dabei! Haltet zusammen gegen ASPA, ProfessorInnen und Dozierende und übt gemeinsam Druck aus, um euch Freiräume zu erkämpfen!
Die fast unlösbare Aufgabe besteht darin, sich weder von der Schule noch von der Universität dumm machen zu lassen. Alles was wir wissen müssen, um uns gegen die Härten dieser Gesellschaft zu wehren und um die Gesellschaft, die diese Härten produziert, abzuschaffen, lernen wir nicht in der Schule. Stattdessen werden Herrschaft, Unterdrückung und Ausbeutung verschleiert und legitimiert. Wir werden dort zur Zustimmung zu dieser Gesellschaft erzogen, in dem jede Kritik auf eine Verbesserung und nicht auf die Abschaffung der Herrschaft verpflichtet wird.
Die Abschaffung dieser Gesellschaft wird nie Inhalt eines Lehrplans oder Uniseminars sein. Dennoch: Gerade diejenigen, deren Unterdrückung durch das bürgerliche Wissen verfestigt wird, müssen sich dieses mühsam aneignen und durchdringen. Dies ist die Voraussetzung dafür, um es effektiv zu kritisieren, bekämpfen und aufheben zu können. Um die Ideologien und falschen Versprechungen als solche zu entlarven, brauchen wir andere Orte als die Universität. Dafür brauchen wir Räume und Zusammenhänge in denen wir einen Modus kollektiver Bildung entwickeln. Indem wir uns Wissen über die Verhältnisse aneignen, schärfen wir unsere Kritik und entdecken Brüche im System, die es auszuweiten gilt. Wir sind nicht neutral, sondern parteiisch gegen Ausbeutung und Unterdrückung. Unsere Kritik an den Verhältnissen ist durch den Hass auf das Leid, das wir und andere täglich erfahren, geschärft.
Konkret meint das: Wir müssen lesen und Diskutieren um die Systematik hinter dem alltäglichen Leid zu erkennen. Wir müssen uns über unsere Erfahrungen austauschen und sie zum Ausgangspunkt unserer Kämpfe machen. Und wir müssen neue Erfahrungen machen; Erfahrungen des Widerstands und gelingender Kollektivität, um zu lernen, was an dieser Gesellschaft falsch ist, wie sie überwindbar ist und wie eine andere Gesellschaft aussehen könnte.“

Der Redebeitrag als PDF

Veranstaltungsreihe gegen die Ohnmacht

Falken Jena Theorie und Praxis

„Eigentlich kann ich tun, was ich will
Aber schau, praktisch geh´ ich dafür in den Bau
Theoretisch scheiß ich auf alles, doch das geht nicht
Denn praktisch erlaub´ ich mir kein Fehltritt“

In dem gleichnamigen Lied thematisieren JokA & Bushido, wie sie sich in ihrem Lebensalltag immer wieder an der Unvereinbarkeit von ‚Theorie und Praxis’ stoßen. Innerhalb linker Zusammenhänge wird dieser Widerspruch oft einseitig aufgelöst. Die Theoretikerinnen einerseits haben erkannt, dass es ohne Aufklärung des Bewusstseins keine Revolution geben kann und versuchen sich, aus Angst vor der falschen Praxis, auf den geistigen Standpunkt der Kritik zurückzuziehen. Die Praktikerinnen anderseits haben die Ohnmacht der Theorie erkannt und experimentieren mit Praxis- und Lebensformen, um für eine befreite Gesellschaft im hier und jetzt zu kämpfen – unterschätzen dabei aber immer wieder ihre eigene Verstrickung im und die Totalität des falschen Ganzen.
Obwohl die meisten anerkennen würden, dass es für eine gesellschaftliche Emanzipation einer revolutionären Theorie und Praxis bedarf, scheinen sich beide oft gegenseitig auszuschließen. Das nährt unsere Vermutung, dass das prekäre Verhältnis von Theorie und Praxis weniger auf Fehlentscheidungen der Individuen verweist, als viel mehr auf gesellschaftliche Widersprüche. Worin bestehen diese Widersprüche? Und wie wirken sie auf uns, die sich gegen die Zumutungen dieser Gesellschaft organisieren wollen? Diesen und verwandten Fragen haben wir uns in unserem AK Theorie und Praxis genähert. Im Rahmen dieser Veranstaltungsreihe haben wir Freundinnen und Freunde eingeladen, um den Widerspruch zwischen Theorie und Praxis besser bestimmen zu können. Zudem wollen wir verschiedene Ideen und Versuche kennenlernen, diesem Widerspruch sinnvoll zu begegnen.

Wenn jemand während einer unserer Veranstaltungen gerne Kinderbetreuung in Anspruch nehmen möchte, meldet Euch gerne per Mail: info@falken-jena.de

Vortrag: Theorie und Praxis
30. Mai um 19 Uhr im Seminarraum 113 (Universität Jena)
Mit Philipp Schweizer von den Falken Erfurt

Dass Theorie und Praxis zwei unterschiedliche Dinge sind, scheint offensichtlich: Etwas Tun und Denken, über etwas reden und etwas verändern sind immerhin zwei Paar Schuhe.
In der Linken gibt es in der Regel zwei Wege damit umzugehen. Einerseits schlägt man sich auf eine der beiden Seiten. Da wissen die Theoretiker*innen alles besser, solange sie nicht zeigen müssen, dass sie es auch besser können oder die Praktiker*innen halten sich zu Gute, dass sie immerhin etwas tun würden und schon deswegen im Recht wären, egal wie blödsinnig ihre Ideen und Aktionen sind. Andererseits wird versucht die beiden miteinander auszusöhnen, die richtige Theorie zu finden, die schon zur richtigen Praxis führe, oder zur richtigen Praxis, aus der dann die richtigen Gedanken folgen sollen.
Im Vortrag soll das Verhältnis von Theorie und Praxis näher beleuchtet werden und gezeigt werden, warum keiner dieser beiden Wege zu einer Kritik der Gesellschaft führt.

Workshop: Geschlecht und Theoriearbeit
7. Juni um 19 Uhr im Seminarraum 113 (Universität Jena)
Mit Franzi und Maria von den Falken Thüringen

Gemeinsam wollen wir die Welt verstehen und verändern. Eine kritische Auseinandersetzung mit der Verfasstheit dieser Gesell schaft ist für uns nicht nur ein Hobby, sondern ein wichtiger Bestandteil unseres Kampfes für eine bessere Welt.
Nun sind wir als Frauen* immer wieder damit konfrontiert, dass uns die Fähigkeit zu abstraktem Denken abgesprochen wird oder wir uns das selber nicht zutrauen. Unsere Erfahrung ist, dass auch linke Theoriearbeit doch eher „Männersache“ bleibt. „Bloß“ feministische Theorie scheint für Frauen* übrig zu bleiben.
In diesem Workshop wollen wir über die Erfahrungen diskutie- ren, die wir als Frauen* bei linker Theoriearbeit machen. Darüber hinaus sollen die Strukturen und Mechanismen aufgedeckt werden, die Frauen* die Theoriearbeit erschweren – dies berührt Fragen der psychischen Konstitution von Frauen* wie auch den vorherrschenden Charakter von Theoriearbeit selbst.
Der Workshop arbeitet mit einem Thesenpapier und ist nur für Frauen* gedacht.

Thesen zum Vorrang der Praxis
16. Juni um 19 Uhr im Seminarraum 113 (Universität Jena)
Diskussionsveranstaltung mit L&M

Vor einigen Jahren fand in der Thüringer Linksradikalen-Gazette „Lirabelle“ eine Debatte über Theorie und Praxis statt. Eine derartige Debatte gibt es in der Linken, seit sie sich von der historischen Arbeiterbewegung gelöst hat – oftmals drehen sich die daran Beteiligten im Kreis. Die Debatte in der Lirabelle unterschied sich davon einerseits dadurch, dass hier Fraktionen miteinander diskutierten, die sich sonst kaum noch etwas zu sagen haben – andererseits dadurch, dass bestimmte Grautöne das Feld produktiv verwirrt haben. L&M haben sich an dieser Debatte beteiligt. Wir wollen die zentralen Thesen vorstellen und argumentieren, dass Theorie unweigerlich vom Feld der Praxis ausgeht – und dass sie sich als fundierter erweist, wenn sie sich selbst als Reflexion von Praxis begreift. Außerdem wollen wir versuchen, einige Ordnungs-Kategorien in das Feld der Praxis einzuführen, um anschließend etwas näher auf das Verhältnis von revolutionärer Theorie und Praxis einzugehen. Dieses Verhältnis erweist sich unseres Erachtens selbst immer als historisch bedingt.

Die Thesen aus der Lirabelle können hier nachgelesen werden.

Eine Tradition in vielen Splittern
23. Juni um 19 Uhr im Seminarraum 113 (Universität Jena)
Diskussionsveranstaltung über die Scherbentheorie mit Franza Ranner, Josef Swoboda und Karl Rauschenbach.

Organisiert euch! In Deutschland ist es seit etwa 50 Jahren üblich, dass Revolutionäre oder welche, die sich im oft jugendlichen Überschwang gerne für solche halten würden in Kleingruppen organisieren und wo ehemals die Kommunistische Partei war, ist jetzt ein bunter Flickenteppich verschiedener mehr oder weniger eigenbrödlerischer Vereinigung, die manchmal sich in Bündnissen zusammenschließen. Schwillt eine dergestalt organisierte Bewegung an, kann man dieselbe noch verklären, indem man deren Konfusion mit Friedrich Engels daraus erklärt, dass „alles Massendenken sich zuerst in Widersprüchen, Unklarheiten, Zusammenhangslosigkeiten bewegt“ und sich die Sache später klarer darstellen wird. In solchen Phasen sehe man dann die verschiedenen Splittergruppen „sich untereinander mit mindestens ebenderselben Heftigkeit bekämpfen wie den gemeinsamen Feind draußen.“ Auch in diesem günstigen Fall, bei dem die Herrschaft der Bourgeoisie immerhin auch angegriffen wird, bissen sich sämtliche Versuche eine einheitlichere Organisationsstruktur zu schaffen, die Zähne aus, indem, so immernoch Engels, ihre Initiatoren „die Einigkeit predigten, wo keine Einigkeit möglich war.“ Doch wie sieht es dann aus, wenn die Gruppen kaum mehr zanken und dabei der Feind ruhig schlafen kann? Mit diesem Zustand des radikalen Grüppchenzoos beschäftigte sich vor einigen Jahren die Schrift „Scherbentheorie“. Diese soll vorgestellt und diskutiert werden.

– Die Scherbentheorie
Reflexionen zum Umfeld, aus dem die Scherbentheorie entstand
Notiz zur Scherbentheorie wegen einiger Interpretationsschwierigkeiten derselben

Der kommende Aufprall
28. Juni um 19 Uhr im Seminarraum 113 (Universität Jena)
Vorstellung und Diskussion des Strategiepapiers „Der kommende Aufprall – Auf der Suche nach der Reißleine in Zeiten der Krise“ mit Antifa Kritik und Klassenkampf“

In den letzten Jahren hat die radikale Linke ein verstärktes Interesse an der sozialen Frage und auch an der Unterstützung der Kämpfe von Lohnabhängigen entwickelt. Außerdem wurde die Frage der eigenen Stellung diskutiert: Erst, wenn sich auch linksradikale Polit-Gruppen selbst als Teil der Klasse begreifen, führen sie nicht mehr einen äußerlichen Kampf, sondern setzen als Teil der kämpfenden Klasse an ihrer eigenen Proletarisierung an. Dabei sind es besonders Kämpfe in den sogenannten „prekären“ Bereichen wie der sozialen Arbeit, in der Pflege oder in Krankenhäusern, in denen die DGB Gewerkschaften kaum vertreten sind, wo die Linke eigene Akzente setzen konnte. Gleichzeitig handelt es sich dabei aber auch um Bereiche, in denen die Lohnabhängigen über wenig Produktionsmacht verfügen. Mit dem Text „Der kommende Aufprall. Auf der Suche nach der Reißleine in Zeiten der Krise“ lieferte die Gruppe Antifa Kritik & Klassenkampf (Frankfurt a.M.) einen Beitrag zu dieser in den letzten Jahren in der (radikalen) Linken verstärkt geführten Strategiedebatte über die Einmischung der radikalen Linken in die alltäglichen Kämpfe der Klasse. Zudem wird danach gefragt, welchen organisatorischen Ausdruck solche selbstorganisierten Kämpfe bekommen könnten.
Bei der Veranstaltung sollen diese Überlegungen vorgestellt werden und mit Euch zusammen diskutiert werden, was dies für unsere alltägliche Praxis bedeuten könnte.

Vortrag zu Solistreikarbeit
5. Juli um 19 Uhr im Seminarraum 113 (Universität Jena)
Mit dem Streik-Solidaritätsbündnis Leipzig

Bei den Krisen im heutigen Kapitalismus handelt sich nicht nur um Krisen des Staates, der Kapitalfraktionen usw. Es ist auch eine Krise der linksradikalen Bewegung, da es dieser nicht ge- lingt eine Perspektive auf Veränderung der Gesellscha zu ent- werfen, die am Alltag der Menschen im Kapitalismus anknüp . Sie scheitert meistens daran, die Kritik der herrschenden Ver- hältnisse den Unterdrückten näher zu bringen.
Hier knüp unsere Arbeit als Amazonstreik-Solibündnis an: Aus den Alltagskämpfen und -erfahrungen heraus, wollen wir im Arbeitskampf der Amazon-Belegscha um einen Tarifver- trag, gemeinsam eine emanzipative Perspektive auf gesellscha – liche Veränderung entwickeln. Wir möchten mit Euch diskutie- ren über unser tastendes Voranschreiten, die Erfahrungen mit gewerkscha licher Betriebspolitik des DGB und dem Eindruck momentan am Punkt der tendenziell vollständig automatisier- ten Logistikbranche zu stehen.
In unserem Vortrag wollen wir in den Austausch über Ansätze linksradikaler Politik kommen.

Sozialismus: Die Alternative zu Deutschland

parteischule

Bundeskonferenz der SJD – Die Falken vom 25. bis 28. Mai in Erfurt in der Alten Parteischule

Wir Falken sind ein linker Kinder-, Jugendverband. Wir sind parteiunabhängig, aber parteiisch gegen Herrschaft und Ausbeutung und für eine andere, bessere Welt. Zusammen versuchen wir die Gesellschaft zu verstehen und zu verändern. Weil sowohl das Verstehen als auch das Ändern allein nicht gut funktionieren können, denken wir, dass es notwendig ist sich zusammen zu tun.
Anlässlich der Bundeskonferenz in Erfurt wollen wir uns und unsere Arbeit einer interessierten Öffentlichkeit vorstellen. Ein ausführliches Rahmenprogramm – Ausstellungen, Lesungen, Vorträge, Kneipenabende und Konzerte – laden dazu ein, uns und unsere Arbeit kennenzulernen. Wir freuen uns über Besucher*innen, Interessierte und vor allem über neue Mitstreiter*innen. Also kommt vorbei!
Nähere Infos gibt es hier

Programm:

Ausstellungen (Alte Parteischule)

Besucher*innenzeiten: Donnerstag 15 bis 19 Uhr
Freitag 10 bis 19 Uhr
Samstag 10 bis 19 Uhr

Die Kinderrepubliken der Falken – ein gelebtes Stück Demokratie
Seit etwa 100 Jahren organisieren die SJD – Die Falken und ihre Vorgängerorganisationen Ferienzeltlager für Kinder und Jugendliche – die sogenannten Kinderrepubliken. Von Anfang an lag der Fokus auf der Selbstorganisation und demokratischen Mitbestimmung von Kindern und Jugendlichen. Themen wie Internationalismus und die Gleichstellung der Geschlechter spielten dabei eine große Rolle. Die Ferienzeltlager waren immer auch ein Stück konkrete Utopie: Hier sollten Kinder und Jugendliche über ihre Interessen und Bedürfnisse solidarisch und eigenständig verfügen lernen. Die Ausstellung lädt anhand einer Auswahl historischer Bildmaterialien und kurzer Texte auf 17 Plakaten dazu ein, gemeinsam die Geschichte der Kinderrepubliken bis heute zu erkunden.

Selbstbehauptung, Widerstand und Verfolgung. Die Sozialistische Jugend Deutschlands – Die Falken in Berlin 1945 bis 1961
Die Ausstellung betrifft ein fast vergessenes Kapitel der Nachkriegsgeschichte: In Berlin kämpften junge Leute für die Freiheit. Die Akteure waren demokratische Sozialisten – und damit Gegner der SED. Die Restauration im Westen lehnten sie ebenso ab wie die neue Diktatur im Osten. Sie zählten zur „Sozialistischen Jugend Deutschlands (SJD) – Die Falken.“ 1947 hatte die Alliierte Kommandantur die Falken für ganz Berlin zugelassen. Als SPD-nahe Jugendorganisation bestanden sie auf ihrem Recht, auch in Ost-Berlin tätig zu sein. Damit waren die Falken ein Stachel im Fleisch der SED. Die sowjetische Besatzungsmacht bekämpfte die Falken ebenso wie Volkspolizei und die Staatssicherheit. Stasi, Vopo und SED-Justiz gingen immer brutaler gegen die Falken vor. Nach dem Mauerbau 1961 mussten die Falken ihre Aktivitäten in Ost-Berlin einstellen. Eine freie Jugendarbeit im Ostsektor war nicht mehr möglich. Viele Falken flohen nach West-Berlin. Andere überlebten das SED-Regime. Sechs verloren ihr Leben – in sowjetischen Internierungslagern, durch Schüsse der Volkspolizei auf friedliche Demonstranten und bei den Hinrichtungen angeblicher Spione in Moskau. Über 70 Falken wurden zu zum Teil hohen und höchsten Freiheitsstrafen verurteilt. Den Opfern der politischen Verfolgung ist die Ausstellung gewidmet.

Kaffee und Kuchen im Roten Konsum (Alte Parteischule)

Öffnungszeiten: Donnerstag 15 bis 19 Uhr
Freitag 12 bis 19 Uhr
Samstag 12 bis 19 Uhr

„Die Falken sind ein Versuch des Ausbruchs. Ausbruch aus dem stumpfen Alltag in Schule, Betrieb und Uni. Sie sind ein Versuch der Kritik: Kritik an einer Gesellschaft, an der wir keinen so rechten Spaß finden können und die endlich auf den Müllhaufen der Geschichte gehört“
Du interessierst dich für unsere Arbeit? Der rote Konsum bietet die Möglichkeit, unsere Aktiven kennenzulernen, auf einen Kaffee oder ein Bierchen vorbeizuschauen, in linken Zeitschriften zu stöbern und unsere kulinarischen Spezialitäten (Süßes und Fritiertes) zu probieren.

Markt der Möglichkeiten (Alte Parteischule)

Stände: Freitag 12 bis 19 Uhr
Samstag 12 bis 19 Uhr

Verschiedene Institutionen der Falken, linke Organisationen und Initiativen (Verlage, Jugendverbände, Gruppen, etc.) stellen ihre Arbeit im Foyer vor der Alten Parteischule vor

Abendprogramm Donnerstag 25. Mai

Feministische Lesung mit Outside the Box (21 Uhr, Falken-Ladenlokal [kany])
outside the box ist eine Zeitschrift, die Gesellschaftskritik mit feministischem Fokus betreibt. Sie ist aus der Beobachtung heraus entstanden, dass feministische Theorie und Praxis nicht genügend in Debatten einer emanzipatorischen Linken einfließen. Sie bleiben allzu oft Randthema. Gleichzeitig kann gesellschaftliche Verhältnisse feministisch zu kritisieren nicht heißen, auf einem Auge blind durch die Welt zu gehen. Die Erfahrung von Zuständen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist, macht die Kritik dieser Zustände notwendig – in diesem Sinne will outside the box ihren gesellschaftskritischen Blick um das Wissen um sexistische Erfahrung erweitern, nicht darauf verengen.

„Die soziale Revolution – Das Werk der Arbeiter selbst“ – Eine Einführung in den Rätekommunismus mit Kosmoprolet (21 Uhr, veto)
Dass die Revolution keine Parteisache sein könne und die Arbeiter durch ihre Selbstorganisation in Räten ihre Geschichte selbst in die Hand nehmen müssten, war die Grundlage der vor allem aus den Niederlanden und Deutschland stammenden antiautoritären KommunistInnen. Entstanden war diese Strömung nach den Erfahrungen der revolutionären Welle nach dem Ersten Weltkrieg, in der sich nicht nur die Räte als revolutionäre Organe herausgebildet hatten, sondern schließlich die Konterrevolution aus dem Herzen der Arbeiterbewegung selbst geführt wurde: Durch die Sozialdemokratie in Westeuropa und den Stalinismus in Russland. Als deren Kritik überlebten die Positionen des Rätekommunismus, als politische Strömung dagegen stand er – sieht man von einer kurzen Renaissance in den Kämpfen Ende der 1960er Jahre ab – zumeist im Abseits.
Auf der Veranstaltung sollen die Geschichte der Strömung und ihre zentralen theoretischen Grundlagen zunächst kurz nachgezeichnet werden, bevor gemeinsam darüber diskutiert werden soll, was uns die Positionen dieser antiautoritären Dissidenten heute noch in Hinsicht auf sozialrevolutionäre Prozesse zu sagen haben könnten.

Film & Diskussion: Pride (21 Uhr, L[50])
Der Film, der auf wahren Begebenheiten beruht, stellt die unerwartete Solidarisierung zwischen streikenden Bergarbeitern in Wales und schwul-lesbischen Aktivisten in London dar. Der Film verhandelt Vorurteile und Solidarität, Gewerkschaften und den Kampf gegen Diskriminierung aufgrund sexueller Orientierungen.
Die anschließende Diskussion soll die historischen Geschehnisse aus heutiger Perspektive und die Inhalte des Films vertiefen.

Musik und Kneipenabend (21 Uhr, Domizil)

Abendprogramm Freitag 26. Mai

Vortrag und Film: „die wichtigste aller Künste“ – Bilder der Avantgarde im Kino der Revolution mit Christoph Hesse (20.30 Uhr, Alte Parteischule)

Der Film sei die wichtigste aller Künste, meinte Lenin: weil er, anders als die dem gebildeten Bürgertum vorbehaltene Kunst und Literatur, allen Menschen ohne weiteres zugänglich sei. Und weil er genau darum die Revolution in allseits verständlichen Bildern in die Welt hinaustragen könne. Diese Hoffnung hat sich, wie man längst weiß, nicht erfüllt. Noch bis heute tragen die populärsten Filme eher dazu bei, daß die Leute es sich in Verhältnissen gemütlich machen können, die ihnen in Wirklichkeit fast all das vorenthalten, was sie ihnen vorspielen. Der Einfluß des Films, argwöhnte Trotzki, schon bevor das eben scheinbar so glücklich revolutionierte Rußland zu einem totalitären Staat auswuchs, sei eher dem des Alkohols und der Kirche vergleichbar.
Dennoch: Versuche, wie auch immer revolutionäre Filme zu gestalten, um damit die gesellschaftlichen Verhältnisse selbst umzuwerfen, wurden seither etliche unternommen. Daß die Avantgarde, die sich dem Geschehen voraus wähnte, ihrerseits bald einer geschichtlichen Entwicklung hinterherlief, die sie rechts überholt hatte, mag ihren politischen Anspruch zunichte machen, keineswegs jedoch ihre künstlerische Leistung. Was hier als politische Film-Avantgarde bezeichnet wird, folgt keiner eingebürgerten Definition. Vorgestellt werden sollen exemplarisch einige Experimente der 1920er bis 60er Jahre, die auf der Suche nach einem neuen Inhalt des Kinos zugleich eine neue Form fanden.

Diskussionsrunde: Internationalismus & lokale Organisierung mit der DIDF Jugend (20.30 Uhr Alte Parteischule)
Die DIDF-Jugend ist als Jugendverband sowohl hier in Deutschland als auch gegen den aktuellen Rechtsruck in der Türkei aktiv, aus der viele ihrer Mitglieder in zweiter und dritter Generation stammen. Wie sich diese zwei Aspekte ihrer Arbeit verbinden und was andere Aktive in Deutschland daraus lernen können, ist Inhalt dieser Abendveranstaltung.

Lesung: Topf und Söhne – Besetzung auf einem Täterort mit Plan B (20.30 Uhr Alte Parteischule)
Die Hausbesetzung auf dem ehemaligen Gelände der Erfurter Firma Topf & Söhne, die in der Zeit des Nationalsozialismus Krematoriumsöfen für Konzentrations- und Vernichtungslager hergestellt hatte, war in den 2000er Jahren eines der bekanntesten linksradikalen Projekte in Deutschland. Das Buch will die Erfahrungen dieser Zeit festhalten. Mit Erzählungen und Analysen rekonstruiert es gemeinsame Kämpfe und interne Streitigkeiten und bietet einen Überblick über die Hausbesetzer_innenszene der 1990er Jahre in Erfurt und die historische Bedeutung der Firma Topf & Söhne, sowie die Aufarbeitung der Firmengeschichte durch Geschichtsaktivist*innen.

Lesung: 70 Jahre Verbandskonferenzen mit dem Archiv der Arbeiterjugendbewegung (20.30 Uhr, Alte Parteischule)
Im April 1947 – vor ziemlich genau 70 Jahren – fand die erste Verbandskonferenz der „Sozialistischen Jugend Deutschlands – Die Falken“ in Bad Homburg statt. Ein Jahr zuvor beschloss die erste SPD-Jugendkonferenz, neben der Parteijugend eine unabhängige sozialistische Kinder- und Jugendorganisation als Nachfolgeorganisation der SAJ und der Kinderfreunde zu gründen. Tatsächlich hatte die Aufbauarbeit sozialistischer Jugendgruppen in vielen Städten und Regionen direkt nach der Befreiung 1945 unabhängig voneinander und spontan begonnen. Organisiert wurde diese oft von ehemaligen Mitgliedern und Funktionär*innen aus sozialistischen und kommunistischen Jugendorganisationen vor 1933. Hans Weinberger und Erich Lindstaedt wurden auf der ersten zentralen Jahreskonferenz 1947 zu gleichberechtigten Vorsitzenden gewählt. In ihren Grundsatzreferaten arbeiten sie sehr unterschiedliche Visionen und Ziele einer Sozialistischen Jugend heraus. Ihre zentralen Diskussionen um zukünftige jugendpolitische Arbeitsfelder des Verbandes, um sozialistische Erziehungskonzepte, um das Verhältnis zwischen Jugend und Partei, zum Internationalismus und zum strukturellen Aufbau von Landesverbänden werden in einer kurzweiligen Lesung des Konferenzberichtes von 1947 nachgezeichnet.

Film & Diskussion: ‚Selbstbehauptung, Widerstand und Verfolgung. Die Sozialistische Jugend Deutschlands – Die Falken in Berlin 1945 bis 1961 (20.30 Uhr Alte Parteischule)
In dem Film werden verschiedene Zeitzeug*innen, die in Berlin bei den Falken aktiv waren, interviewt. Gemeinsam wollen wir im Anschluss über die Geschichte der Falken in der DDR diskutieren.

Katerschmiede: Kneipenabend in der alten Parteischule (ab 20.30 Uhr)

Parallel zu den Veranstaltungen gibt es die Möglichkeit, sich Getränke zu holen. Nach den Veranstaltungen setzen wir die Diskussionen gerne bei einem Getränk fort.

Abendprogramm Samstag 27. Mai

Party – Resistance
Ort: Kulturzentrum eburg (https://www.facebook.com/kulturzentrumengelsburg/?fref=ts)
Einlass: ab 20:30 Uhr
Eintritt (Für Nicht-Falken): 5-7 €

Lineup:
Rana Esculenta (Hip Hop/Rap aus Halle/Leipzig) https://ranaesculenta.bandcamp.com/releases
Fracksputz (Riot Grrrl Punk, Leipzig)

Djs:
Ostbam (Hip hop/ Grime/Trap)
Angelconda (Techno/House, beide vom feministischen Kollektiv Prozzeco: https://www.facebook.com/ProZeccoKollektiv/?fref=ts)
Max Midaz (https://www.mixcloud.com/maxmidaz/, Leipzig, Techno)
und Junkens Juke (Kollektiv aus Erfurt, Juke und Trap)

Entsprechend § 6 Abs. 1 VersG sind Personen, die rechtsextremen Parteien oder Organisationen angehören, der rechtsextremen Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, von den Versammlungen der SJD – Die Falken KV Erfurt ausgeschlossen.

KidsCamp 2017 – Ferien mit uns ist mehr als nur Urlaub!

KidsCamp 2017

Ferien mit den Falken: das heißt Abenteuer, Spiel & Spaß und Mitbestimmung. Auch dieses Jahr wollen wir mit Dir einen unvergesslichen Sommer verbringen. Wir errichten unser Zeltlager mit drei Dörfern je nach Altersgruppe und allem Drum und Dran auf den Zeltplatz Berlin-Heiligensee, am Rande von Berlin, einer der vielfältigsten und aufregendsten Städte Deutschlands.
Frei nach dem Motto „Was du erlebst, bestimmst du selbst“ kannst Du Deine Ideen im Falken-Camp verwirklichen. Ob Baden im See oder im Schatten vom Alltag erholen, Basteln oder Sport machen – Du entscheidest, was Du machst. Wie jedes Jahr wird es auch Workshop-Reihen zu unterschiedlichen Themen geben, bei denen Du dich aktiv einbringen kannst. Wir wollen gemeinsam diskutieren, Musik machen, Spielen, Klamotten designen, Baden gehen und faul in der Sonne liegen, gemeinsam Kochen und Parties feiern.
Dabei ist uns wichtig, dass sich jeder von Euch aktiv in die Gestaltung des Camp-Alltags einbringen kann. Damit wir alle die Ferien erleben können, die wir erleben wollen. Wir freuen uns auf Dich und deine Freundinnen und Freunde!

Hier gibt es weitere grundlegende Informationen.
Auf dieser Seite findet ihr Informationen zu unserem pädagogischen Anspruch.

Anmeldung unter: kontakt[at]falken-thueringen.de

Anmeldeschluss:1. Juni 2017

Dazu brauchen wir bis zu diesem Datum

– eine unterschriebene Einverständniserklärung. Falls ihr keinen Drucker habt, sagt uns bescheid und wir senden euch einen Ausdruck per Post zu.
– sowie einen ausgefüllten Anmeldebogen

Teilnahmebeitrag:
200 | 250 | 300 €
je nach Selbsteinschätzung und finanziellen Möglichkeiten*

Der Teilnahmebeitrag ist zu überweisen an:

SJD-Die Falken LV Thüringen
IBAN: DE55820510000163063613
BIC: HELADEF1WEM
Verwendungszweck: TN-Beitrag (Name des Kindes) SommerCamp

*Welchen Preis ihr zahlt, folgt ganz eurer persönlichen Einschätzung. Den meisten Eltern empfehlen wir den Normalpreis von 250 Euro. Wenn es euch möglich ist, bitten wir euch herzlich darum, den Solipreis von 300 Euro zu zahlen, mit dem wir den Sozialpreis von 200 Euro ermöglichen können. Falken-Mitglieder können 290 Euro, 240 Euro und 190 Euro zahlen.

Wenn ihr Fragen habt, ruft uns an, schreibt uns eine Mail oder kommt bei uns vorbei.

Veranstaltungsreihe: Marxistisch-feministische Perspektiven auf Care-Arbeit

Die Falken Jena wollen sich mit der Frage beschäftigen, wieso Sorge-Arbeit im Kapitalismus abgewertet wird und welche Schwierigkeiten und Potenziale in Kämpfen um Care-Arbeit stecken. Dies soll aus einer marxistisch-feministischen Perspektive heraus geschehen.

Di, 07.2. 19 Uhr Roswitha Scholz: Wert und Geschlecht als dialektisch vermitteltes Gesamtverhältnis. Hörsaal 7 (in der Carl-Zeiß-Str. 3)

Do, 16.2. 19 Uhr Sandra Hettmann: Über Wert-Abjektion. Fürsorgearbeiten im patriarchalen Kapitalismus. Hörsaal 9

Do, 23.2. 19 Uhr Yalcin Kutlu: Kampf und Anerkennung. Die Sozial- und Erziehungsdienste im Streik. Hörsaal 9

Di, 28.2. 19 Uhr Aktivistinnen aus Hamburg und Berlin: Alternative Streikformen in Krankenhäusern. Hörsaal 7

Vortrag und Diskussion: „Ni loi, ni travail“

Wann: 28.01.2017 um 18 Uhr
Wo: Carl-Zeiss-Straße 3, Seminarraum 206

Vorstellung der Broschüre über die Protestbewegung gegen das Arbeitsgesetz in Frankreich

Am 16. Februar 2016 stellte die französische Arbeitsministerin Myriam El Khomri ein neues Arbeitsgesetz vor, das in einem ähnlichen Ausmaß wie die deutsche Agenda 2010 Entsicherung und Prekarisierung in den Arbeitsverhältnissen vorantreiben sollte. Dagegen entfachte sich in unmittelbarer Folge ein heftiger Widerstand, der zu einer umfassenden Protestbewegung anwuchs. So groß die Bewegung war, so heterogen war sie auch. Ein Bündnis aus den größten französischen Gewerkschaften mobilisierte zu periodischen Großdemonstrationen und leitete einen koordinierten politischen Streik ein, der vornehmlich die logistisch zentralen Sektoren lahmlegte. Auf den „Nuit Debout“ genannten Versammlungen auf öffentlichen Plätzen übte sich eine stark durchmischte Zivilgesellschaft in nächtlicher Basisdemokratie. Der radikalste Widerstand ging jedoch von einer Jugendbewegung aus, die jedweden Kompromiss mit den staatlichen Autoritäten ablehnte und in ihrer antikapitalistischen Ausrichtung über die bloße Verhinderung des Gesetzes hinaus zielte. Am Höhepunkt der Auseinandersetzungen demonstrierten am 14. Juni mehr als eine Millionen Menschen in ganz Frankreich gegen das Gesetz und im Zuge dessen kam es zu den wohl heftigsten Straßenschlachten seit dem Mai ‘68.
Trotz des Ausmaßes dieses Klassenkampfes kaprizierten sich die bürgerlichen Massenmedien hierzulande fast ausschließlich auf das gleichzeitig stattfindende Spektakel der Fußball-Europameisterschaft. Das informelle Kollektiv „et al.“, das dann und wann gesellschaftskritische Schriften übersetzt, brachte deswegen gegen dieses vielsagende Schweigen eine Broschüre heraus. In ihr sind vor allem Texte aus der letztgenannten Strömung der Proteste versammelt. Diese und den Verlauf der Ereignisse wollen wir vorstellen und diskutieren.

Die Broschüre und weitere Übersetzungen findet ihr zum Lesen und selbstständigen Weiterverbreiten hier: http://magazinredaktion.tk/etal.php

Ein Veranstaltung der Falken Jena und dem Übersetzungskollektiv Et al.

Vortrag: Entwickelt sich die Türkei zu einer offenen Diktatur?

Wann: 12.12.2016 um 20 Uhr
Wo: Carl-Zeiss-Straße 3, Seminarraum 113

Seit dem gescheiterten Militärputsch gegen die Regierung Recep Tayyip Erdogans nehmen die Medienberichte zur Situation in der Türkei kein Ende. Deutsche Sender berichten einhellig, das Land befinde sich auf dem Weg in die Diktatur.
Tatsächlich ließ der islamistische Regierungschef der AKP die Büros etwaiger Radio- und Fernsehsender schließen. Außerdem wies er die Verhaftung einiger Mitglieder der kurdischen Oppositionspartei HDP an, nachdem er ihre Immunität aufhob. Einiges spricht also für eine antidemokratische Machtkonzentration auf Erdogan selbst. Diese von außen dargestellten Berichte sollen im Vortrag durch die Innenperspektive eines Referenten der DIDF ergänzt werden.

Die Föderation Demokratischer Arbeitervereine (DIDF) ist ein Dachverband migrantischer Arbeiterinnen und Arbeiter, der ursprünglich von kurdischen und türkischen Arbeiterinnen und Arbeitern gegründet wurde und deren Interessen vertritt.

EIne Veranstaltung der Falken Jena in kooperation mit der DIDF

Tagesseminar: Willkommen im Surplus-Proletariat

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Wann: 13. November 2016
Wo: Demokratischer Jugendring Jena (Seidelstr. 21, Jena

Anmeldung bis zum 8. November unter info@falken-jena.de
(Uhrzeit und weitere Details werden per Mail bekanntgegeben)

Seit seinen Anfängen hat sich der Kapitalismus dadurch ausgezeichnet, dass er Menschen überflüssig macht. Die fortschreitende Rationalisierung und Mechanisierung der Produktionsprozesse führte zu einer schwindenden Nachfrage und tendenziellen Entwertung der Ware Arbeitskraft. Die daraus resultierende Not der »Überflüssigen« bildete zwar schon früh einen wesentlichen Anklagepunkt marxistischer Gesellschaftskritik gegen die herrschende Ordnung, heute ist jedoch eine neue Stufe erreicht: Die Mehrzahl der Menschen auf dem Globus versorgt sich nicht mehr selbst, sondern ist auf den Verkauf der Arbeitskraft an andere angewiesen, um über die Runden zu kommen, kurz gesagt die Mehrheit der globalen Bevölkerung besteht aus Proletariern. Die so massenhaft freigesetzte Arbeitskraft weckt jedoch auf Seiten des Kapitals längst keine entsprechenden Begehrlichkeiten mehr, sodass ein Surplus-Proletariat entsteht, das in den letzten Jahren auf vielfältige Weise in das politische Geschehen eingreift: in Form stetig wachsender Migrationsströme von Menschen etwa, die jedoch an ihren Zielorten keine Möglichkeit mehr vorfinden, ihre Arbeitskraft in Wert zu setzen; in Form von Kriegen, die sich zwischen marodierenden Milizen und Gangs abspielen und im Extremfall in failed states münden; in Form neofundamentalistischer Bewegungen, die aus den Fugen geratenen Gesellschaften einen autoritär-moralischen Kitt verpassen und die Habenichtse auf das Jenseits vertrösten; nicht zuletzt aber auch in Form neuartiger, mit überlieferten Vorstellungen von Klassenkampf und Revolution kaum zu fassenden Unruhen, die immer wieder Züge selbstorganisierter Kämpfe annehmen, deren Perspektive aber unklar bleibt.

Ein Tagesseminar der Falken Jena und einem Referenten der Freundinnen und Freunde der klassenlosen Gesellschaft

Die Falken Thüringen beim Ratschlag

Ratschlag

Auf dem 26. antifaschistischen und antirassistischen Ratschlag, der dieses Jahr in Ilmenau stattfindet, sind auch die Falken mit einigen Workshops am Start:

Workshopphase 1, 12-14 Uhr:

Historische Faschismustheorie(en)?! – Ein Gegenstand, unterschiedlichste Analysen

Verschwörung des deutschen Großkapitals, Ausrutscher der Geschichte, oder Notwendigkeit. Es gibt sehr unterschiedliche Analyse wie es zum deutschen Faschismus/Nationalsozialismus kam. Wir wollen uns exemplarisch drei unterschiedliche Analysen zur Hand nehmen und herausarbeiten, welche Interessen mit diesen Analysen verbunden sind. Zwei (Thalheimer und Dimitroff) sind aus den dreißiger Jahren, eine (Mason) aus einer Debatte, die in den Siebzigern in der Zeitschrift „Das Argument“ geführt wurde. Der Workshop wird eine Mischung aus Input meinerseits und Kleingruppenarbeit zu den einzelnen Texten, die dann gemeinsam im Plenum diskutiert werden. Es ist kein Vorwissen notwendig.
– Tyll, Falken Erfurt

My Body, My Choice – Revisited

Die Auseinandersetzung mit Abtreibung und reproduktiven Rechten erscheint oft als ein veraltetes Thema der 2. Frauenbewegung. Warum das Thema aber für eine sich feministisch und antifaschistisch verstehende Bewegung immer noch aktuell & wichtig ist, möchten wir zusammen mit euch erarbeiten. Der Fokus liegt dabei auf der Erklärung der gesellschaftlichen Stigmatisierung von Abtreibung. Wie hängen bürgerliche Familienideale, rechte Bewegungen und das immer noch aktuelle Interesse an der Kontrolle der reproduktiven Fähigkeiten von Frauen zusammen?
– Elena, David und Janis vom Bündnis feministische Kämpfe, Jena

Workshopphase 2, 15.30-17.30 Uhr:

Kritik des Klassismus

In diesem Workshop wollen wir zunächst gemeinsam einen Begriff von Klassismus erarbeiten. Dabei soll anhand von Thesen den Zusammenhang zwischen Klassismus und Kapitalismus diskutiert werden. Das Ziel ist, eine Klassismuskritik zu entwickeln, die die materiellen Ursachen dieser Diskriminierungsform thematisiert und angreift. Dabei wird gleichzeitig klar: Auch die Kapitalismuskritik kann durch eine Auseinandersetzung mit klassistischer Diskriminierung nur gewinnen.
– Maria, Falken Jena

Der Ratschlag findet vom 4.-5. November an der freien Reformschule „Franz von Assisi“ in Ilmenau statt. Hier gehts zum Programm.

Offenes Plenum der Falken Jena

Offenes Plenum der Falken Jena

Für alle, die schon immer mal wissen wollten, was die Falken eigentlich so machen, die auf der Suche nach netten Genossinnen und Genossen sind, die sich gegen die Zumutungen dieser Gesellschaft organisieren und gemeinsam diese Welt verstehen und verändern wollen.

Wir Falken sind ein linker Kinder- und Jugendverband. Wir sind parteiunabhängig, aber parteiisch gegen Herrschaft und Ausbeutung und für eine andere, bessere Welt. Zusammen versuchen wir die Gesellschaft zu verstehen und zu verändern. Weil sowohl das Verstehen als auch das Ändern allein nicht gut funktionieren können, denken wir, dass es notwendig ist sich zusammen zu tun. Gemeinsames Denken und Handeln ist notwendig, um Veränderung zu bewirken. Dafür wollen wir zusammen und voneinander lernen, zusammen kämpfen und unsere wenige Freizeit gemeinsam gestalten und genießen. Wir wollen einen Gegenpol zur alltäglichen Zumutung durch Schule, Uni oder Arbeit schaffen. Wir haben keine Lust darauf, uns einzufügen und uns krumm zu machen, um ein Leben voller Langeweile und Entbehrung zu führen. Dies sind nicht unvermeidbare Nebenwirkungen einer unveränderbaren Welt, sondern die konkreten Folgen dieser Gesellschaft – einer Gesellschaft, gegen die uns tausend gute Gründe einfallen und tausend Dinge, die wir gegen sie tun können.

Komm zum offenen Plenum am 24. Oktober 2016, ab 19:00 Uhr im DJR – Seidelstraße 21, 07749 Jena