Matthias Küntzel – Islamischer Antisemitismus – Nazis und der Nahe Osten

18.02.21 / 19 Uhr 

Dass die Nazis zwischen 1937 und 1945 keinen Aufwand scheuten, um den Antisemitismus unter Muslimen zu schüren, ist in Deutschland kaum bekannt. Dabei ist gerade diese Facette der deutschen Vergangenheit hochaktuell. Die Begegnung des Nahen Ostens mit der Nazi-Ideologie war zwar kurz, doch sie wirkt bis heute weiter nach. Denn während der Nazi-Antisemitismus überall sonst in der Welt diskreditiert war, konnte er sich in der arabischen Welt als Weltanschauung erhalten. Erst wenn wir begreifen, wie stark die moderne Nahostgeschichte von den Nachwirkungen des Nationalsozialismus geprägt ist, werden wir den Judenhass in dieser Region  und dessen Echo unter Muslimen in Europa richtig deuten und adäquate Gegenmaßnahmen entwickeln können. 

Eine besondere Rolle spielte und spielt hierbei eine neue Form von Judenfeindschaft: der islamische Antisemitismus. Diese Bezeichnung bezieht sich weder generell auf den Islam, noch pauschal auf Muslime, sondern verweist auf eine spezifische Ausprägung von Judenhass. Die Nationalsozialisten taten alles, um diesen islamischen Antisemitismus mithilfe ihrer arabischsprachigen Radiopropaganda zu verankern. In seinem jüngsten Buch „Nazis und der Nahe Osten. Wie der islamische Antisemitismus entstand“ beleuchtet Matthias Küntzel dieses bislang kaum bekannte Kapitel deutscher Vergangenheit und zeigt auf Basis neuer Archivfunde, wie sich das Judenbild im Islam zwischen 1937 und 1948 unter dem Einfluss dieser Propaganda und sonstiger Nazi-Aktivitäten veränderte. Der neue Blick auf die Nahostgeschichte ermöglicht eine präzisere Beurteilung der Gegenwart. Was genau ist „islamischer Antisemitismus“? Wie tritt er gegenwärtig in Erscheinung? Und was macht ihn besonders gefährlich?

Matthias Küntzel ist Politikwissenschaftler und Historiker sowie Autor zahlreicher Bücher unter anderem zu den Themen Antisemitismus, Islamismus und deutsch-iranischen Beziehungen. Er ist außerdem Mitglied im “Verband der Historiker und Historikerinnen Deutschlands”, in der “Association for the Study of the Middle East and Africa” und der “Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik”. Seit 1992 ist Küntzel als Politiklehrer an der Hamburger Gewerbeschule beschäftigt. 

Diese Veranstaltung ist Teil der Reihe “Feindaufklärung. Moderne Formen des Antisemitismus”, die von den Falken Jena und dem Jungen Forum DIG Jena organisiert wird. Den Zugang zur Veranstaltung teilen wir am Nachmittag davor in der Facebook Veranstaltung.

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